Kanuzubehör

Paddel

sind genaugenommen kein "Extra", sondern ein unerläßlicher Bestandteil des Kanus. Das Paddel dient dem Antrieb und der Steuerung.
Die Vielfalt unterschiedlicher Materialien, Formen und Maße ist bei Paddeln so verwirrend wie die Auswahl an Booten. Gottseidank scheiden für den Wasserwanderer eine Vielzahl der "Spezialgeräte" wie Renn-, Slalom und Wildwasserpaddel von vorne herein aus. Und was übrig bleibt, ist alles mehr oder weniger brauchbar, aber es lohnt sich, einige Punkte zu beachten. Immerhin macht man auf einer Tour durchschnittlich 25 - 30 Paddelschläge pro Minute, also 1.500 - 1.800 pro Stunde und über 10.000 oder sogar 15.000 pro Tag. Da können auch kleine Unterschiede ins Gewicht fallen. Vor allem muß das Paddel deshalb leicht sein und gut in der Hand liegen.
Material:
Ob Ihr Paddel nun aus Holz, Aluminium,Fiberglas, Kohlefaser oder Kunststoff gefertigt sein soll, bleibt Ihnen überlassen. Lassen Sie sich von einem Fachhändler beraten und achten sie - unabhängig vom Material - auf gute Verarbeitung. Wichtig ist, daß das Paddel schwimmt und im Griffbereich nicht aus unbeschichtetem Aluminium besteht (denn Alu macht nicht nur schwarze, sondern u.U. auch saukalte Finger!). Teilbare Paddel sind für den Faltbootkapitän unerläßlich, aber z.B. auch für Leute mit Schlauchkanadiern vorteilhaft, wenn das Boot klein verpackt transportiert werden soll. Teilbare Kanadierpaddel sollten an der Verbindungsstelle wasserdicht sein oder mit Isoband oder ähnlichem abgedichtet werden, sonst läuft Wasser in die Hohlräume und tropft nachher ins Boot.
Form:
Breit oder schmal? Eckig oder Beaver-Tail? Hier kommt bereits der Geschmack ins Spiel. Doch grundsätzlich kann man sagen, daß f ür den Wasserwanderer ein rechteckiges Blatt mit gerundeten Ecken sinnvoll ist. Für Ausdauerleistungen (und nichts anderes ist das Wasserwandern) sind schmalere Blätter (ca. 15 cm) erwiesenermaßen effektiver und kräfteschonender, während für Manöver, bei denen es darauf ankommt kurzfristig starken Schub zu entwickeln - z.B. auf wildem Wasser - breitere Blätter (um 20 cm) vorteilhafter sind.
Länge:
Beim Kanadier lautet die Faustregel: das Paddel des Bugmannes sollte diesem - wenn er steht - etwa bis zum Kinn reichen, das des Heckmannes jenem bis an die Augen. Kajak/Faltbootwanderern empfiehlt man ein Doppelpaddel der Länge, die sie stehend mit nach oben gereckten Armen noch erreichen können (ca. 220-240 cm). Das sind jedoch nur ganz grobe Faustregeln, die man nach eigenem Ermessen und Geschmack beugen darf. In jedem Fall sollten Paddel mit Tropfringen ausgestattet sein, damit nicht bei jedem Paddelschlag Wasser über die Hände oder ins Boot läuft.
Griff.
Kanadier-Paddel gibt es mit Knauf oder mit T-förmigem Griff sowie Abwandlungen dieser Grundformen. Probieren Sie, was Ihnen besser in der Hand liegt und mit welchem Griff Sie das Paddel besser drehen können.
Reservepaddel. Auf jeder längeren Tour und beim Solopaddeln gehört ein sicher befestigtes Reservepaddel ins Boot.
Achtung: Auf offenem Wasser muß das Paddel (ebenso wie das Boot) mit einer Sicherheitsleine am Kanuten befestigt werden, damit es nach einer Kenterung nicht abtreibt.
Alpine 20-Meter-WurfsackSicherheitsausrüstung
Nach dem Paddel ist die Schwimmweste das wichtigste Ausrüstungsstück. Sie dient als Schwimmhilfe (auch beim Bergen oder Entleeren des Bootes nach einer Kenterung). Eine Rettungsweste hat zusätzlich einen Kragen, der dafür sorgt, daß man auch bei Bewußtlosigkeit den Kopf noch über Wasser behält. Beim Schwimmen ist die Rettungsweste eher hinderlich, da sie stets versucht, den Schwimmer auf den Rücken zu drehen. Für Kanuwanderer ist gewöhnlich eine Schwimmweste vorteilhafter. Lediglich Kinder und Nichtschwimmer sollten eine Rettungsweste tragen. Sowohl Schwimm- als auch Rettungsweste müssen auf das Körpergewicht abgestimmt sein.
Wurfsäcke sind kleine Nylonbeutel mit einem 15 bis 25 m langen, schwimmfähigen Seil drin. Gekenterten Kollegen kann man diese Rettungsleine zuwerfen. Mit etwas Training (muß sein) ist der Umgang mit dem Wurfsack recht einfach. Wurfsäcke wurden ursprünglich fürs Wildwasser entwickelt, können aber auch für Zahmwasserwanderer hilfreich und in Notfällen sogar lebensrettend sein - z.B. bei Unfällen an einem Wehr mit gefährlichem Rücksog.
Spritzdecke
Die Spritzdecke verschließt den Raum zwischen Paddler und Boot, macht also aus einem offenen Kanu ein geschlossenes. Manchmal wird auch eine Persenning mit Sitzluke(n) übers Boot gespannt und erst an dieser die eigentliche Spritzdecke (auch Schürze) befestigt.
Die Spritzdecke/Persenning ist kein Muß. Besonders Tagesfahrten mache ich fast immer im offenen Boot, und auch längere Touren im Kanadier werden oft "oben ohne" gefahren. Doch fraglos hat die Plane ihre angenehmen Seiten: sie schützt Paddler und Gepäck vor Regen und Spritzwasser, verringert den Windwiderstand und notfalls kann man nachts darunter schlafen. Andererseits kann eine Persenning beim Ein- und Aussteigen hinderlich sein, sie erschwert den Zugriff zum Gepäck, ist beim Umtragen hinderlich und macht bei einer Kenterung auch das Bergen und Leeren des Bootes schwieriger. Um diese Nachteile auszugleichen, sind geteilte Decken oder solche mit großer RV-Öffnung praktisch. Keinesfalls darf die Sitzluke/Persenning so eng sein, daß man bei einer Kenterung am Aussteigen gehindert wird.
Bootswagen
Zum Umtragen von Boot und Gepäck (sofern ein halbwegs guter Weg vorhanden ist) oder zum Transport vom/zum Auto oder Bahnhof ist ein zweirädriger Bootswagen vorteilhaft. Wichtig ist eine solide Bauweise, denn Boot und Gepäck wiegen zusammen schnell über 100 Kilo. Also auf stabile und gut gelagerte Räder achten! Keine empfindlichen Speichen, solide aber leicht lösbare Radbefestigungen, breite Reifen und ein verschweißtes Rohrgestell. Luftreifen sind auf festen Wegen angenehm, dafür aber empfindlicher als Vollgummi und erfordern Pumpe und Flickzeug. Vorteilhaft ist ein Bootswagen, der sich rasch zusammenklappen oder zerlegen läßt, sofern dies nicht auf Kosten der Robustheit geht. Bei einem niedrigen Bootswagen passiert es leicht, daß man in Mulden und an Böschungen mit dem Bootsende aufsetzt (kann durch untergeschnalltes Gepäck ausgeglichen werden). Immer reichlich, genügend lange Spanngurte mitnehmen.
Nützlicher Kleinkram
An Bug und Heck gehört je eine ca. 5-7 m lange Bootsleine (z.B. Reepschnur) zum Halten und Festmachen des Bootes. Aufgerollt und mit einer elastischen Kordel gesichert, kann sie sich nicht verheddern und ist schnell zur Hand. Zum Tragen des Bootes sind breitere Gurtschlaufen oder feste Griffe hilfreich und zum Treideln braucht man zusätzlich eine mindestens 20-25 m lange Leine (oder den Wurfsack).
Für längere Portagen sind viele Kanadier bereits mit einem fest eingebauten Tragejoch ausgestattet. Fehlt es, so kann man aus wasserfest verleimtem Sperrholz selbst ein Joch herstellen, das bei Bedarf mit Klemmbacken und Flügelmuttern am Dollbord befestigt wird. Gute Polsterung nicht vergessen!
Kanus, die nicht durch ihre Bauweise unsinkbar sind, sollten mit Auftriebkörpern in Bug und Heck ausgestattet sein. Gut sind auch wasserdicht verschließbare Beutel, in denen man zugleich Gepäck verstauen kann.
Um notfalls lenzen zu können, braucht man ein geeignetes, nicht zu kleines Schöpfgefäß, das gut erreichbar im Boot festgebunden ist. Zum Aufwischen von Spritzwasser ist ein Schwamm nützlich, der ebenfalls per Schnur befestigt oder festgeklemmt werden kann. Seekajaks und manche Tourenboote haben außerdem Lenzpumpen, die per Fuß oder mit der Hand bedient werden und bis zu 40 I/Min. aus dem Boot pusten. Der durchschittliche Zahmwasserwanderer wird aber ganz gut ohne solches Gerät auskommen.
Kanadier-Paddler - sofern sie nicht im Schlauchkanadier fahren - werden längerfristig auf ein Kniepolster nicht verzichten wollen, denn nur kniend kann man das Boot optimal beherrschen. Einfache Knieschoner aus dem Baumarkt können bereits gute Dienste leisten. Komfortabler sind in das Kanu geklebte Polster aus 2-3 Lagen geschlossenzelligem EVA-Schaumstoff (das Material, aus dem bessere Isomatten bestehen).
Und schließlich gehört natürlich noch ein Reparatur-Set mit an Bord, das entsprechend dem Material des benutzten Bootes zusammengestellt ist. Die kompletten Sets sind meist vom Bootshersteller erhältlich. Dort kann man auch über die notwendigen Kleber Auskunft erhalten. Immer praktisch ist zusätzlich eine kleine Rolle Gewebeklebeband.
Alles weitere - wie Packsäcke, Tonnen, Zelt etc. rangiert nicht mehr unter Bootszubehör, sondern unter "Campingausrüstung" und kommt später dran, wenn es um die Vorbereitung der "Großen Fahrt" geht. Aber auch so ist ja allerlei zusammengekommen. Genug um den einen oder andern stöhnen zu lassen: "Oh Mann, bis ich für den ganzen Kram die Knete zusammen hab', sind die Gewässer längst wieder zugefroren! " Deshalb nochmals: Wer Boot und Paddel sein eigen nennt (oder irgendwo borgen kann), der braucht nur noch eine Schwimmweste - und schon kann's losgehen!

Viel Spass beim paddeln


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