WASSERWANDERN
 
   Heute geht es um die Paddeltechnik    
 

Los geht's! Raus auf´s Wasser! Endlich!! Jetzt kommt keiner mehr drum herum. Genug von Bootstypen, Materialien und -querschnitten, genug von Paddeln, Wurfsäcken und Flußmorphologie. Jetzt lassen wir die Schiffchen schwimmen! Wie so oft ist zwar die Praxis fast! - alles. Trotzdem kann Ihnen die theoretische Anleitung - hoffentlich! - das eine oder andere unfreiwillige Bad ersparen und umständliches learning-by-doing abkürzen.

Wählen Sie für Ihren ersten “Stapellauf" kein hohes oder steiles Ufer dann werden Sie keine Probleme haben. Ideal ist ein flaches Ufer ein niedriger Steg oder eine breite Ufertreppe. Wenn alles gut im Boot befestigt oder verkeilt ist (wichtig bei steileren Ufern, damit nichts herausfällt!) dann heben Sie den Bug an und schieben Ihr Gefährt mit dem Heck voran ins Wasser. Bei stehenden Gewässern funktioniert es Bug voran genauso gut. Auf Fließgewässern hingegen startet man gewöhnlich gegen die Strömung, und wenn man das Heck zuerst ins Wasser läßt, dann wird das Boot von der Strömung automatisch mit dem Bug stromauf gedreht.Meist ist stromauf das gleiche wie flußauf - es sei denn man setzt sein Kanu in einem Kehrwasser ein, dann zeigt der Bug stromauf- aber flußab!Vorerst werden Sie zum Einsetzen eine Stelle mit geringer Strömung auswählen. Aber wenn Sie später einmal Ihr Schiffchen in kräftigerer Strömung zu Wasser lassen wollen, dann schieben Sie es nicht zu zögerlich hinein, sonst reißt die Strömung es hinten herum, ehe es ganz auf dem Wasser liegt und läßt es womöglich gar kentern.

Einsteigen

Immer wieder gibt es Leute, die kommen sich etwas verscheißert vor wenn man ihnen erklären will, wie sie in ein Kanu einsteigen sollen. Nun gut, bei einem breiten Wander-Canadier ist das sicher kein Problem. Aber selbst da habe ich schon Überflieger erlebt, die schneller drüben im Bach lagen, als sie hüben ins Boot gekommen waren. Und  beim Kajak geht das  noch viel fixer! Also: Greifen Sie mit den Händen beide Süllränder und setzen Sie den einen Fuß in die Mitte des Bootes, während die Last noch ganz auf dem Landbein ruht.Dann verlagern Sie das Gewicht zügig auf den im Boot stehenden Fuß, ziehen das andere Bein nach und gehen gleichzeitig in die Hocke. Wichtig ist es, den Schwerpunkt rasch nach unten zu bekommen und nicht erst lange halb stehend herumzuturnen. Wer freihändig einsteigen will oder gar mit einem eleganten Sprung, der muß entweder sehr viel Übung haben oder er ist ein erstklassiger Bade-Kandidat! Wenn das flache Ufer oder der Steg etwa in gleicher Höhe mit dem Süllrand liegt, ist die Paddelbrücke hilfreich: man legt das Paddel vor sich quer über die SüIIränder bis aufs Ufer und stützt sich darauf ab, so daß das Kanu zwischen Wasser und Paddel fixiert wird und gar nicht mehr kippen kann. Weiter wie oben. Zum Einstieg in Kajaks mit enger Luke hat sich die Paddelbrücke hinten bewährt. Man legt dazu das Paddel hinter der Luke quer setzt sich drauf und läßt sich hin einrutschen.Beim Zweier steigt stets derjenige zuerst ein, der die Stromab Position inne hat. Macht man es anders herum, dann liegt das Stromauf-Ende tiefer im Wasser.Es wird daher von der Strömung stärker angegriffen und ist schwieriger am Ufer zu halten.Während der eine einsteigt, kann der andere das Boot festhalten und stabilisieren.Je stärker die Strömung, desto mehr muß man darauf achten, daß beim Einsteigen, und solange man sich am Ufer festhält, das stromauf weisende Ende möglichst dicht am Ufer liegt Sonst kann es vorzeitig von der Strömung erfaßt und herumgerissen werden. Und wer sich dann weiter krampfhaft am Ufer festklammert, riskiert ein kühles Bad.

Paddelhaltung

Beim Doppelpaddel sind die beiden Blätter in einem Winkel von etwa 90° gegeneinander verschränkt. Dies ermöglicht einen harmonischeren Bewegungsablauf beim Paddeln, und das obere Blatt wird mit der flachen Kante durch die Luft geführt, was sich besonders bei Gegenwind durch einen deutlich geringeren Luftwiderstand bemerkbar macht. Man greift den Schaft so, daß Ober- und Unterarme einen rechten Winkel bilden, wenn man das Paddel Über den Kopf hält. So erzielt man die günstigste Hebelwirkung und eine optimale Paddelführung. Bald schon wird man den Abstand gefühlsmäßig richtig wählen und derjeweiligen Situation anpassen. Eine Hand hält den Schaft fest umschlossen und ändert die Blattstellung durch Drehungen aus dem Handgelenk; die andere liegt nur lose um den Schaft, denn in dieser Hand soll er sich drehen können. Beim Stechpaddel (Canadierpaddel) umgreift die eine Hand (falls man rechts paddelt, die Linke) den Knauf von oben her (und nicht etwa den Schaft unterhalb des Knaufs!), die andere faßt den Schaft im gleichen Abstand wie oben beim Doppelpaddel erklärt.

Paddeln Position

Der Faltboot- oder Kajakpaddler sitzt in nicht zu tiefer Position aufrecht und entspannt im Boot, die Füße auf dem Stemmbrett bzw. der Steuervorrichtung, die Beine leicht angewinkelt und gespreizt. Da ist nicht viel zu erklären. Für den Canadierpaddler hingegen gibt es mehr als ein halbes Dutzend unterschiedlicher Positionen, die in bestimmten Situationen ihre Vorteile haben. Zunächst werden Sie sich einfach auf die Bank setzen und die Beine entweder nach vorn strecken (wenn Sie sie dabei spreizen und an die Bordwand pressen, haben Sie eine stabilere Position) oder unter den Sitz schlagen. Im zweiten Fall brauchen Sie nur etwas nach vorn zu rutschen, und schon befinden Sie sich in kniender Position, wobei der verlängerte Rücken an der Sitzbank halt findet oder - wenn Sie noch etwas nach vorn rutschen - auf den Fersen zu sitzen kommt. Der Schwerpunkt wird dabei tiefergelegt und man erhält eine besonders stabile Position, die sich in rauherem Wasser bewährt. Das "Dreipunkt-Knien” kann man bei etwas Übung sehr lange als bequem empfinden, das "Aufden-Fersen-Sitzen” ist strapaziöser um Muskeln und Gelenke zu entlasten, kann man zwischen verschiedenen Positionen wechseln. Solo-Paddler können außerdem etwas zur Paddelseite hin rutschen, so daß der Canadier aufkantet. Bug und Heck heben sich dadurch aus dem Wasser, die Wasserlinie wird verkürzt, und das Boot ist dadurch viel wendiger.

Die ersten Paddelschläge

Grundsätzlich sollte man auch im Zweier zunächst allein paddeln, damit man die Auswirkung seiner Schläge direkt spürt und nicht immer den anderen für alles verantwortlich macht, was mißlingt. Dies gilt besonders im Canadier. Dabei wird entweder der Vordermann zur Untätigkeit und schweigendem Ballastdasein verdonnert (nachher wird gewechselt, versteht sich!), oder man setzt sich gleich allein in den Zweier und zwar verkehrt herum auf den Bugsitz, so daß man mit dem Heck voraus paddelt. So liegt der Schwerpunkt fast in der Mitte des Kanus und das Fahrverhalten ist günstiger.

Grundschlag

Jetzt sitzen Sie in Ihrem Canadier das Stechpaddel fest in den Händen und haben sich dazu entschlossen, rechts zu paddeln. Gut. Dann geht zunächst der rechte Arm stracks nach vorn, so als wollen Sie jemand eine vor den Latz geben. Die rechte Schulter macht die Bewegung mit und der ganze Oberkörper  dreht sich in der Taille, um die beiden zu unterstützen. Das Paddelblatt greift nach vorn und sticht nahe der Bordwand und im rechten Winkel zu ihr steil ins Wasser ein. Wenn es weder spritzt noch platscht, dann stimmt's. Nun gilt es das Blatt parallel zur Bordwand kräftig und gleichmäßig nach hinten zu ziehen (es soll dabei ganz im Wasser sein, aber die untere Hand soll nicht naß werden).Dazu dreht sich der Oberkörper in der Taille wieder nach rechts, die rechte Schulter geht nach hinten und die linke kommt vor. Die untere (rechte) Hand wird nur wenig nach hinten gezogen (etwa bis der Ellbogen neben dem Körper liegt). Sie dient in erster Linie als Druckpunkt oder Widerlager, während die obere Hand den Paddelknauf nach vorn stößt und sich dabei die bekannte Hebelwirkung zunutze macht. Hebelwirkung genau das ist der Knackpunkt eines effizienten und kräfteschonenden Schlags. Hat das Blatt die Höhe der eigenen Sitzposition passiert, so wird es glatt aus dem Wasser gehoben, mit der oberen Hand so gedreht, daß es mit der rechten (äußeren) Kante nach vorn flach durch die Luft wieder in Richtung Bug geführt werden kann (geringer Luftwiderstand), worauf sich die gleiche Prozedur wiederholt.

Das mag sich kompliziert anhören, ist aber ein simpler Ablauf der rasch in Fleisch und Blut übergeht. Sie können den Bewegungsablauf auch bereits am Ufer als Trockenübung trainieren. Wichtig für einen guten Schlag ist, daß der gesamte Oberkörper daran beteiligt ist (Rücken-, Bauch- und Schulter muskulatur) und daß man sich die Hebelwirkung zunutze macht. Auch wenn es zunächst unvorstellbar scheint: Nach einigen Stunden Übung wird daraus ein flüssiger Bewegungsablauf auf den man gar nicht mehr zu achten braucht und den man wenn er stimmt - stundenlang durchhalten kann, ohne zu ermüden. Mit dem Doppelpaddel ist der Bewegungsablauf im Grunde ähnlich, nur daß die Ruhephase (in der das Blatt wieder nach vorn geführt wird) entfällt, da zugleich das gegenüberliegende Blatt seine Arbeitsphase hat.

Anlegen und Aussteigen

Was?! Kaum losgepaddelt, da sollen wir schon wieder anlegen? Sorry Leute. Eigentlich sollte ich vorher schon noch ein paar Takte, über die Steuerung des Bootes verlieren. Keine Frage.  Also: Angelegt wird wieder mit dem Bug gegen die Strömung (andere Möglichkeiten später), denn so läßt sich das Boot am einfachsten abbremsen und " einparken" Versucht man in schneller strömendem Wasser mit dem Bug stromab ans Ufer zu fahren, dann ist es schwierig, rechtzeitig die Fahrt wegzunehmen. Sie werden gleich merken, was dann passiert! Der Bug wird wahrscheinlich höchst unsanft gegen die Steine rumsen und abrupt zum Stillstand kommen, während das Heck noch in die Strömung ragt. Die packt es und treibt das Boot sofort quer - und breitseits zu den Wellen ist ein Kanu nicht sonderlich stabil. Entweder es schmeißt Sie gleich um, oder Sie treiben rückwärts den Bach runter - was dann besonders peinlich werden kann, wenn Sie vor einem Wehr oder einer stromschnelle rasch anlegen wollten! (Daß Sie nicht der/die Erste sind, der/die auf solche Weise rückwärts eine eigentlich viel zu schwere Stufe befährt, das wird Sie kaum trösten.) Mit dem Bug stromauf hingegen können Sie durch entsprechend dosierte Vorwärtsschläge die Geschwindigkeit des fließenden Wassers aufheben und dann den Bug ans Ufer drücken. Wiederum steigt der Bugpaddler zuerst aus (warum, das steht bei " Einsteigen") und stabilisiert das Boot. Und wieder ist darauf zu achten, daß das stromauf-Ende dicht am Ufer bleibt.So. Sicher gelandet? Viel Spaß beim üben und bis nächstes Mal. Dann verrate ich Ihnen, wie die Kurve geht, mit der Sie nach dem Ablegen wieder zum Ufer kommen.

 
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