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Noch
immer schauen Passanten verstört, wenn man mit großem Rucksack und
Schneeschuhen an den Füßen durch die Winterlandschhaft wandert. Skitouren
werden ja noch akzeptiert, aber mit Zelt und Schlafsack? Da sitzt man
doch lieber mit einer heißen Tasse Tee vor dem Kamin. Doch wer einmal
im Winter unterwegs war, kann sich dem weißen Reiz kaum verschließen:
klare Luft, einsame Pfade, Stille. Das ist Outdoor-Genuß in Vollendung.
Wir sagen Ihnen, was Sie für Ihre Tour brauchen.
Kälte allein ist nicht das Hauptübel im Winter. Mit guter Ausrüstung kann man selbst strengem Frost ganz ordentlich zu Leibe rücken. Erst zusammen mit Feuchtigkeit wird es ekelig. Während in Lappland meist trockene Kälte herrscht; kann es hier in den Wintermonaten schon mal unangenehm werden: Ein plötzlicher Temperaturanstieg; der Schnee wird pappig oder es fängt an zu regnen; die Klamotten und der Schlafsack ziehen Feuchtigkeit. Diese Nässe entzieht dem Körper die wohlverdiente Wärme. Und wehe, wenn es dann über Nacht wieder gefriert. In trockenen Klimaten hingegen kann man Schnee und gefrorenes Kondens von der Ausrüstung abschütteln oder abbürsten. Wer aber geht gleich nach Lappland im Winter? Eine Winterlandschaft aus dem Bilderbuch ist sicher verlockend: überzuckerte Bäume, glitzernde Sonne, Pulverschnee. Doch wenn es schattig wird, der kurze Tag sich schnell dem Ende neigt, man von einer heißen Badewanne träumt, aber mitten im Wald steht und von Badewanne weit und breit keine Spur? Deshalb: nichts überstürzen und langsam dem Winter auf die Spur kommen, Unser Tip: Beginnen Sie mit Tagestouren, suchen Sie geschützte Waldregionen auf, planen Sie bei Mehrtagestrips Hüttenübernachtungen ein oder verbringen Sie auf dem Balkon die ersten Test-Frostnächte, heißt zunächst Kälte. Mützen und Handschuhe müssen her, warme Schuhe, dicke Daunenjacke, Sturmhaube, etc. Doch langsam: Der größte Fehler bei Wintertouren ist es, sich zu dick einzupackten - selbst bei strengem Frost von -20°C, Denn beim Ski- oder Schneeschuhlaufen kommt der Körper kräftig auf Touren. Die.Folge: man schwitzt, und wenn dieser Schweiß nicht nach außen gelangt, bleibt er in den Klamotten hängen. In Ruhephasen kann diese Nässe verhängnisvoll sein, dann schlägt die Kälte erbarmungslos zu: Wasser leitet die Wärme schneller ab , und Verdunstung entzieht Wärme (übrigents:auch über die Atmung kann Verdunstungskälte entstehen, da die kalte, eingeatmete Luft Feuchtigkeit von der Lunge.aufnimmt und beim Ausatmen kondensiert). Tip: Schal vor den Mund, damit die eingeatmete Luft vorgewärmt wird. Vermeiden Sie also nicht nur Feuchtigkteit von außen, sondern auch von innen. Deshalb: So alt und abgedroschen das Zwiebelprinzip auch klingen mag, im Winter ist es oberste Pflicht. Ziehen Sie beim Laufen nur so viel an wie wirklich nötig. Die.ersten 10 Minuten kann es ruhig noch frisch sein, bis die "Betriebstemperatur” erreicht ist. Halten Sie die warmen Klamotten parat, damit sie in Pausen sofort etwas überziehen können. Denn zum Laufen reichen oft Unterhemd plus dünner Fleece. Nutzen Sie alle Variationsmöglichkeiten der Kleidung, z,B, Reißverschlüsse, Mützen oder Handschuhe. BEKLEIDUNG SCHUTZ TOTAL Soll einem doch der Wind um die Ohren pfeifen, Schnee ins Gesicht blasen und der Atem vor der Nase gefrieren: eingepackt in die richtige Kleidung, die Finger in kuscheligen Handschuhen vergraben, läßt einen der Winter ganz schön kalt. Ganz unten: Unterwäsche Eigentlich braucht man keine spezielle Winterunterwäsche. Herkömmliche Funktionswäsche aus Kunstfasern, wie sie von zahlreichen Herstellern angeboten wird, reicht meist aus. Bei großer Kälte zieht man einfach zwei übereinander an oder rüstet gleich mit Fleece auf. Spezielle Winterwäschen sind nur dicker und wärmer als die Sommervarianten. Ziehen Sie auf keinen Fall ein Baumwollshirt an. Im Hochsommer mag das bei guten Trockenmöglichkeiten stellenweise noch verkraftet werden; im Winter kann man das vergessen: trocken wird es bis zum Ende der Tour nicht mehr; außerdem kühlt es den Körper stark aus. Einige Winterwäschen gibt es mit Wollanteil (z.B, von Ullfrotteé; Ortovox oder Medima; Preise ca. 25,- - 60,- € ): Wolle speichert etwas Schwitzfeuchtigkeit; aber wärmt selbst in feuchtem Zustand. Außerdem muffelt sie nicht so stark wie ihre künstlichen Pendants. Ganz wichtig:ziehen sie auch Unterhosen aus Funktionsmaterialien an, Oft sieht man Leute nur mit Oberteil und High Tech-Hose wenn darunter aber der Baumwollslip sitzt, bringt das reichlich wenig (und kann im Winter mehr als unangenehm sein). Ein Langarm-Shirt mit langem Frontreißverschluß ist empfehlenswert zwecks besserer Belüftung. Mittendrin: die Kälteblocker Kaum ein Outdoorer, der nicht irgendeinen Fleecepulli besitzt. Zu recht, denn das Zeug wärmt gut, ist leicht und trocknet rasend schnell. Kein anderes Material ist für den Winter geeigneter als dieser Polyesterstoff. Zum Wandern reicht ein dünner Fleece meist aus. Mikrofleece hält etwas Wind ab, ist aber nicht ganz so atmungsaktiv Bewährt im Winter hat sich vor allem Polartec Powerstretch: Er ist durch seine Dehnbarkeit nicht nur hervorragend für sportliche Aktivitäten geeignet, an der glatten Nylonaußenseite bleibt auch kaum Schnee hängen wie es sonst bei Fleece üblich ist. Außerdem hält er wie der Mikrofleece etwas Wind ab. Wird es kälter, zieht man einen dicken Fleece drüber (z.B. Polartec, Pontetorto oder Eschler). Noch idealer im Winter sind winddichte Varianten (z.B, Gore Windstopper, Polartec Windbloc) oder annäherend winddichte Fleece wie der Ultrafleece von Mountain Equipment. Gerade bei trockener Kälte spielen sie ihre Stärke aus. Einige Modelle sind nur vorne winddicht, Arme und Rücken sind für besseren Durchzug "normal" ausgeführt. Praktisch sind Belüftungsöffnungen wie. Unterarm-Reißverschlüsse, um einen Hitzestau zu vermeiden.Viele Winterwanderer laufen auch mit Fleece-Hosen. Vorteil: sie. wärmen gut, sind leicht, und bei Wind zieht man einfach eine Überhose drüber. Nachteil: meist haben sie nur wenige Tasche'n, und Schnee kann daran hängen bleiben, Auch bei Hosen eignen sich elastische. Modelle, aus Powerstretch. A propos elastisch: Trekkinghosen aus dehnbaren Schöllermaterialien (z,B. bei Salewa, vauDe, Mammut) sind ideal. Es paßt locker eine lange Unterhose drunter, und beim Schneeschuh- und Skilaufen machen sie jede Bewegung mit. Nachteil: Der Wind pfeift kräftig durch (mit langer Unterhose darunter geht es ganz gut), ausserdem sind sie relativ teuer (ab ca. 100,- € ). Die Michelinmännchen Daunenjacken erleben seit kurzem eine.Renaissance zu recht, denn sind der Kältekiller schlechthin. Vor allem in Ruhephasen oder auf gemütlichten Winterspaziergängen bei knackigem Frost spielen sie ihre Stärken aus. Sie sind warm, leicht und finden in (fast) jedem Rucksack Platz. Außerdem kann man sie nachts über den Schlafsack legenoder um die Füße wickeln. Während der Aktivität sollte man sie allerdings auslassen, Da sie viel zu warm sind und zu feucht werden. Schaut man sich das Preisniveau an, kommt man schnell ins Grübeln: von DM 200,- bis über DM 800,- ist alles dabei. Wie bei Schlafsäcken sind die Qualität der Daunen und die Materialien die Preistreiber. Hochwertige Daunen (Gänsedaunen, ab 550 cuin Fillpower im Mischungsverhältnis von mindestens 80/20 Daunen zu Federn) kosten nun mal Geld. Auch die Konstruktion spielt eine Rolle: Bei den einfachen Varianten sind die Kammern durchgesteppt, dabei entstehen Kältebrücken entlang der Nähte (dort ist die Füllung komplett zusammengedrückt).Solche Modelle eignen sich vor allem für Leute, die eine Daunenjacke auch im (Winter-) Alltag gerne anziehen. Die aufwendigen (und teureren) Jacken haben Stegwände wie bei hochwertigen Schlafsäcken, teilweise auch wasserabweisende Außenmaterialien (Gore Dryloft, Drilite, etc.) Letztere bewähren sich vor allem bei feuchtem Klima. Manche Hersteller verarbeiten gar komplett wasserdichte Membranen wie man sie von Funktionsbekleidung kennt. Daunenjacken setzt man aber bei Kälte ein. Wenn es regnet, ist es sowieso schon zu warm für ein solches Monstrum. Deshalb ist Gore-Tex und Co. bei Daunenjacken nicht unbedingt nötig. Bei Kälte gefriert ein Großteil der Feuchtigkeit ohnehin in der Füllung. Darum sollten Daunenjacken so trocken wie möglich gehalten werden. Als Alternative zu Daunenjacken gibt es auch zunehmend Jacken mit Polarguard 3D - oder Primaloft Kunstfaser Füllungen (Hersteller: z.B. Lowe, Marmot, vauDe, Patagonia.) Vorteil: sie sind unempfindlicher gegen Nässe und tragen nicht so dick auf, wie die Daunenpendants. Somit kann man je nach Modell auch noch eine Funktionsjacke drüberziehen - ganz nach dem Zwiebelprinzip. Nachteil: wie bei Kunstfaserschlafsäcken sind sie bei gleicher Wärmeleistung schwerer und haben ein größeres Packmaß als die Daunenmodelle. Manche Hersteller (z.B. The North Face) kombinieren Daunen- und Kunstfasern. Ein anderes Material das sehr gut geeignetist,ist Outlast. Dort werden Kapseln als Beschichtung auf die Kleidung aufgetragen (z.B. vauDe) oder direkt in die Fasern integriert (z.B. Berghaus). Diese Kapseln verändern je nach Temperatur ihre Konsistenz: die ursprünglich festen Kapseln werden bei starker körperlicher Anstrengung flüssig und nehmen überschüssige Energie und Wärme auf In Ruhephasen, verfestigen sie sich wieder und geben Wärme ab. Gerade im Winter; wo Wärme; und Kälteperioden sehr schnell abwech- seln; erscheint das ideal. Demnächst gibt es Outlast auch in Socken (z.B. Wigwam)
ZELT:
DIE FESTUNG Wer auf den Komfort einer beheizten Hütte verzichtet und
den Winter pur genießen will, ist auf das Zelt angewiesen. Grundsätzlich
braucht man für den Winter kein Extra-Zelt. Ein paar Unterschiede gibt
es dennoch, etwa das Platzangebot. Auf Wintertouren hat man einfach mehr
Zeug dabei und das muß irgendwie verstaut werden. Große Apsiden sind also
wichtig. Auch der Innenraum sollte üppig ausfallen, da man sich in der
Regel länger im Zelt aufhält al im Sommer. Ein klassisches 3 Personenzelt
ist also gerade Ausreichend für zwei. Neben dem platzangebot sollte man
folgende punkte beachten KOCHER: ÜBERLEBENSWICHTIG Zelt aufbauen, sich in den Schlafsack legen und erstmal einen Tee machen.Wunderbare Vorstellung! Doch ganz so einfach ist das Kochen im Winter nicht, es dauert nämlich sehr lange, Sofern möglich. sollte man Wasser (offener Fluß) und nicht Schnee erhitzen. Da Schnee durch die eingeschlossene Luft sehr gut isoliert und der Topfboden schnell anbrennt. Außerdem kann man mit einem Topf voll Schnee kaum seinen Durst löschen, da gerademal eine Tasse Wasser herausspringt. Deshalb: wenn kein offenes Wasser zu finden ist. nehmen Sie kleine Eisblöcke oder stopfen Sie Schnee auf den Topfboden. Sobald das Wasser warm ist.kann man Schnee nachträufeln. der dann sofort schmilzt. Als Kocher eignen sich vor allem Benzinmodelle. Gas (zumindest reines Butan) gibt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt den Geist auf. Es gibt aber neuere Konstruktionen ("Maxx" von Coleman oder "Multi Fuel von Primus), die auch bei strengem Frost noch funktionieren, Beim Spritverbrauch locker das doppelte der üblichen Sommermengen berechnen. Empfehlenswert ist ein Untersatz, da der Kocher durch die Hitze schnell im Schnee versinkt. Die Töpfe stehen dann schief und im Extremfall geht er ganz aus, da er keinen Sauerstoff mehr bekommt. Als Kocherstand eignen sich z.B. Schneeschuhe (Vorsicht bei zu großer Hitze) oder ein spezieller Untersatz von MSR. Von MSR gibt es auch einen praktischen Topfwärmer, der variabel an verschiedene Topfgrößen angepaßt weden kann und gerade im Winter die Kochzeiten sowie den Brennstoffverbrauch verkürzt. ESSEN
SCHNELL, VIEL UND LECKER was
in den Topf kommt, entscheiden persönliche Geschmäcker. Beachten sollte
man aber: Je kälter, desto mehr Energie braucht der Körper.Viele kennen
das vielleicht vom Skifahren: nach einem Tag auf der Piste kann man futtern
wie Jan Ullrich nach einer Alpenetappe. Rechnen Sie locker 30 bis 40%
mehr als bei einer Sommertour. Ganz wichtig sind Kohlenhydrate. Problem:
Bei minus 10°C vergeht einem schnell die Lust, den Outdoor-Gourmet zu
spielen und aufwendige Menüs zu zaubern. Hier bieten sich Schnellgerichte
an (z.B. Knorr Spagetteria, aber Vorsicht: Minimum Doppelpackung pro Person)
oder spezielle Outdoornahrung (z.B.von Simpert Reiter oder Schultheiss):
schmeckt gut, man braucht nur heißes Wasser und spart viel Brennstoff.
Morgens empfiehlt sich Müsli, tagsüber tun es Schokoriegel, Energieriegel
(z.B. Powerbar, Clifbar), Trockenwürste oder Trockenobst. Auch Suppen,
Bouillons oder Griesbrei sind geeignet für Wintertouren. Auf keinen Fall
das Trinken vergessen denn der Flüssigkeitsverlust ist enorm. 4 bis 5
Liter pro Tag können es schon sein. Deshalb: morgens ausreichend trinken,
für den Tag heißen Tee oder Bouillon in einer Thermosflasche mitnehmen
und abends ebenfalls Tee, Kaba oder Multivitaminbrausetabletten
(schmecken sogar warm). Wer es ganz authentisch will, macht sich Pemmikan,
die traditionelle Energienahrung der Eskimos. Hier noch ein kleine Checklist 2
Paar Handschuhe wahlweise Fingerlinge und/oder Faustlinge Ideal kombinierte
Modelle. So
das war´s Viel Spass bei der Wintertour !!
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