Nochmal Tintagel, nachts hört man noch die Schwerter klirren.
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Meine lappländische Reise – eine Liebeserklärung

Wieder einmal ist es soweit. Die monatelang zehrende Unruhe und Warterei hat ein Ende. Diese Sehnsucht nach grenzenloser Ruhe und Einsamkeit in Schwedens hohem Norden für ein paar Wochen wieder etwas stillen zu können. Diese Sehnsucht, in die – fast scheint es - noch unberührte, einmalige, grandiose, wilde Natur einzutauchen. Immer wieder neu bin ich diesem Land verfallen. Seinen von der letzten Eiszeit merkwürdig und lustig geschliffenen Bergrücken und Tälern. Die verzauberten Märchenwälder mit den Moosen, Flechten und Farnen. Die unzähligen Flüsse, Bäche, kleinen Moore und Tümpel.
Überall im Wald die Steine mit ihren dichten Fellen aus Moos, als müssten sie den harten und kalten Wintern trotzen. Riesige Felsbrocken, liegengelassen von den fliehenden Gletschern der Urzeit, nehmen die Gestalt von Fabelwesen an. Gäben sie nicht auch prächtige Bänke und Tische für die Berg- und Waldtrolle ab, mit all den anderen Fabelwesen, die eigentlichen Herrscher des Nordens. Sie sollte man nie erzürnen, dann könnten sich die Trolle als arg hinterlistig entpuppen. Reich gedeckt ist ihre Tafel mit allerlei schmackhaften Blau- und Preiselbeeren, und den einzigartigen nur hier oben vorkommenden Moltebeeren. Und ringsherum ein Meer aus tausendfarbigem Grün, ein Teppich aus Mooren, Wiesen, Wald.
Unendlich groß die Mengen an Beeren. Ein Großteil der Weltreserven an diesen schmackhaften „Bodenschätzen“ scheint hier in Lappland zu wachsen und zwischendrin allerlei Flechtenarten, von denen die Rentiere so gerne naschen.
Rentiere sieht man häufig. Sie stehen zum Futtern am Straßenrand, marschieren sogar mitten auf dem Asphalt, um uns Autofahrern ihren Gebietsanspruch zu demonstrieren. Fährt man ganz langsam an sie heran, schauen sie einen mit ihren großen braunen Augen vorwurfsvoll an. Dann werfen sie ihren Kopf mit einem manchmal äußerst respektablen Geweih nach hinten und ziehen gewaltfrei und friedlich – der Klügere gibt ja bekanntlich nach – Richtung Wald, um nach kurzer Zeit wieder zum alten Platz zurückzukehren.
Was ist es aber noch an Schwedens hohem Norden, was mich seit meinem ersten Besuch wie magisch in seinen Bann zieht, mich wie einen Bazillus infiziert, vor dem ich mich nicht retten kann, ja gar nicht retten will? Hier finde ich all das in der Natur, was mein Herz begehrt; Wald, Berge, Wasser, Felsen Taiga und Tundra und endlich kann ich meine über das ganze Jahr angestaute Kokellust an all den Feuerstellen an kleinen und großen Seen stillen. Und es ist etwas Besonderes, eine stille, ganz besondere Freude in mir es ist wie nach Hause kommen.
Weit kann ich meinen Blick schweifen lassen. Meine Wanderung beginnt im üppigen Grün, unter Fichten und Kiefern. Dazwischen Wiesen- und Sumpfblumen mit Wollgras, Weidenröschen, Nordischem Eisenhut, üppig ausladendem Engelwurz, Trollblumen oder dem selten wachsenden König-Karlszepter. Sie geben der vielfältigen nordischen Flora ein einzigartiges Gepräge.
Hoch hinaus in die baumlose Region des Fjäll wird es gehen. So manches Mal kann ich kaum den Pfad erkennen, dem ich laut Markierung folgen soll. Mein Weg verengt sich an manchen Stellen bis auf Schuhbreite und ist mit Felstrümmern so dicht besät, dass das Wandern zu einer Strapaze werden kann. Sind es Pfade, getreten von Wanderern, oder wurden sie von Elchen und anderen Waldbewohnern im dichten Wald aus Kiefern, Fichten, Birken und den selteneren Erlen hinterlassen? Je höher ich klettere, desto lichter wird der Wald um mich herum. Nahe der Baumgrenze schauen vor allem buschähnliche Zwergbirken und -weiden über die Erde. Und überall am Pfadesrand liegen Elchkötter, ab und an eine Losung aus unverdauten Nadeln des Birkhuhns.
Der Stieg entpuppt sich mehr und mehr als steingesäte Hochtreppe. Das „darf“ ich auch in umgekehrter Richtung nachher probieren - bloß gut, dass sich die morschen Knochen auf Wanderstöcke stützen können. Am Waldrand und den lichten Ebenen stolpere ich fast über ein Meer an Pilzen, wie den z.B. für den Menschen ungenießbaren, in allen Rotschattierungen leuchtenden Fliegenpilz, vor allem aber den köstlichen, wohlschmeckenden, rotkappigen Birkenpilz. Wie Leuchtmarkierungen im grünen Waldteppich laden sie mich ein, und so manches Mal habe ich mich am Abend mit diesen Köstlichkeiten regelrecht überfuttert.
Selten begegnen mir auf meinen Wegen Menschen. Ich kann mich in eine Zeit versetzen, als die letzten mächtigen Eisschilde die Erde wieder freigaben, so ursprünglich scheint mir die Landschaft auch heute noch im Fjäll. Und ich erinnere mich an Carl von Linné, der zum faszinierendsten Phänomen des Nordens, dem Licht über Lappland, bemerkte: „Und dieses Licht dort ist vor allem von der Stille geprägt. Und so kann auch eine eintönige graue Landschaft unter einem niemals eintönig erscheinenden Lapplandhimmel jedes Mal erneut eine unbeschreibliche Faszination auslösen.“ Könnte ich mich doch vom Licht des Nordens satt essen.

Eine Tageswanderung an den Rand des Sarek
Auf unserer alljährlichen Lapplandreise wohnen wir für 1-2 Wochen in Arrenjarka, einem wunderbar verträumten, ruhigen, am Saggat liegenden Campingplatz zwischen Jokkmokk und Kvikkjokk mit zahlreichen stillen Plätzen zum unbeobachteten Grillen, Beobachten und Fotografieren.
Heute wollen wir nun endlich eine Tageswanderung in einen der Nationalparks von Europas letzter Wildnis, in den Sarek, unternehmen. Darauf haben wir uns schon lange gefreut und also auch gut vorbereitet.
Der 1970 km² große Sarek- Nationalpark wurde 1909 gegründet und gilt als ursprünglichster Nationalpark Schwedens. Mit anderen angrenzenden Parks soll diese einzigartige Hochgebirgslandschaft erhalten werden, in der es keine touristischen Einrichtungen und Wanderwege gibt, nur ein kleines Stück vom Kungsleden (Königspfad) führt hindurch. Im Pflegeplan dieses Nationalparks steht, der Sarek soll eine Region bleiben, in der nichts unternommen wird, um eine Wanderung zu erleichtern. Für den, der vollkommen weglose Wildnis erleben will, stellt der Sarek mit seinen 200 Gipfeln über 1800 m Höhe, seinen über 100 Gletschern, Hochfjällweiten, engen Schluchten, wildbrausenden Flüssen und dem Rapaätnadelta eine Klasse für sich dar, aber auch eine gefährliche. Ein Wanderführer leistet uns gute Dienste bei unserer Wanderung.
Die Campingplatzbesitzerin von Årrenjarka telefoniert mit der samischen Familie, die den Transport der Wanderer den Sommer über organisiert.
Wir überlegen, ob wir die 10 km lange Trekkerfahrt bis zur Bootsanlegestelle hin und zurück ordern wollen, oder ob wir mindestens einen Weg mit unseren eigenen Kräften schaffen.
Unsere Campingplatzinhaber, die diese kleine Eichhörncheninsel seit Generationen als Familienunternehmen betreiben und auch die Wetterbeobachtung unter ihren Fittichen haben, sagen uns einen sonnigen, blauen Himmel voraus. Wir bestellen also nur die Hinfahrt. Na dann kann es ja losgehen. Früh am nächsten Morgen düsen wir mit Proviant für den ganzen Tag, dem akribisch gepackten Fotorucksack nebst Fernglas mit unserem Auto Richtung Jokkmokk, Abzweig nach Seitevare, bis es an der Sitoälvsbron nicht mehr weiter geht. Nun müssen 10 km buckliger und holpriger Wegstrecke bewältigt werden.
Wir rattern mit noch 2 Wanderlustigen auf dem Hänger des so genannten „fyrhjulings“, der von einem mit Ohrenschützern bestückten Sami Richtung Kuolleluoppal-Bootssteg gelenkt wird. Ein fyrhjuling ist ein traktorähnliches Gefährt, das höchstwahrscheinlich auf allen Bodenformationen, egal ob weich oder hart, mit seinen lastwagenähnlichen Reifen zum Transport für Mensch, Tier und andere Güter benutzt wird.
Die Polterodyssee ist geschafft, etwas steif steigen wir vom Karren runter und schon gehts mit einem offenen Motorboot, auch von unserem Sami gelenkt, mit rasanter Geschwindigkeit über den Laitaure zur nächsten Anlegestelle. Von hier aus gelangt man gemütlich über Stege und eine im Sommer in allen Farben blühende hochgewachsene Wiese nach Aktse. Hier kann man recht spartanisch in einer Wanderhütte übernachten oder auch sein eigenes Zelt aufschlagen.
Unsere 2 Wanderlustigen marschieren nun allein weiter Richtung Skierfe, der schon im Sarek liegt und von dessen Gipfel man mehr als 600 m senkrecht eine Wahnsinnsaussicht über den weit verzweigten Rapaätno genießen kann.
Wir genießen indes mit unserem ortskundigen Bootsführer eine Tour Richtung Rapadelta. Zu unserer Linken wachsen mächtige Felsmassive bis zum Ufer, währenddessen der an einen abkippenden Plateauberg erinnernden Skierfe sich rechts in seiner ganzen Länge zeigt.
Es entsteht der Eindruck eines mächtigen, riesigen Felstores, in dessen Zentrum sich wie als Wächter der Eingangspforte der Nammatj, erhebt. Der Nammatj, so erzählt uns Lennart, ist ein heiliger Berg der Samen. Lennart setzt uns an einer kleinen Bucht ab und wir verabreden, dass er uns in 4 Stunden am gleichen Ort abholt.
Ein kleiner Pfad führt uns zuerst in ein Birkendickicht, der sich ein paar hundert Meter am, durch mehrere Sandbänke verzweigten, Rapaätna entlang schlängelt. Das eiskalte Wasser schimmert gletschergrün, und tost mit starker Strömung dahin, so als ob es uns einladen wolle, ihm zu folgen.
Was ist das, sehe ich richtig? Eine Elchspur kreuzt unseren Pfad, die Hinterlassenschaften dieser größten nordischen Hirschart sehe ich nun ziemlich häufig, ihn zu erspähen ist fast unmöglich. Der mächtige Hirsch beherrscht es perfekt, sich unsichtbar zu machen.
Ab und zu fliegt ein Dutzend aufgescheuchter Auerhühner durchs Dickicht von Baum zu Baum, um sich zum wiederholten Male in meiner unmittelbaren Nähe niederzulassen, und dann sofort mit lautem Gezeter wieder aufzuflattern.
Der Nammatj, an dessen steilen, schroffen Berghängen wir nun direkt entlangwandern, schimmert im Sonnenlicht schwarz bis graugrünlich. So richtig beeindruckend wirkt dieser monumentale Berg erst aus nächster Nähe. Vom Boot aus gesehen kam er mir beinahe niedlich vor, so dass ich noch bei mir dachte, na vielleicht könnten wir da hochkraxeln …
Die Hänge sind teilweise so steil, dass die von Lawinen ausgelösten Stein- und Erdrutsche erst unten am Fuße des Berges zum Stillstand kommen. Mein Freund ist mir inzwischen ein gutes Stück voraus und fotografiert hoffentlich all die faszinierenden Landschaften, die sich mir mit jedem neuen Blick, den das Wäldchendickicht freigibt, bieten. Bald lichtet sich der mit Fjällbirken bewachsene Wald, und ich steige auf eine mit Moosen und Flechten bewachsene felsige Anhöhe, um in Ruhe diese einzigartige, archaische und so ursprünglich wirkende Landschaft auf mich wirken zu lassen.
In der Ferne schimmern noch vom letzten Winter mit Schneeresten bedeckte Berghänge. Die Sonne strahlt durch große Wolkenlöcher, und taucht die Landschaft in ein Wechselspiel aus Licht- und Schatten. Mal schieben sich watteweiße Wolkenschiffe vor die Sonne, dann jagen wieder tiefgraue bedrohlich wirkende Wolkenfetzen heran. Gerade diese verschiedenen Lichteffekte verleihen dieser so eiszeitlich geprägten Landschaft einen ganz besonderen Reiz; das Licht besitzt in Lappland eine einzigartige Qualität und welche feinen Farbnuancen dieses Licht ausstrahlt! Die Berge, die unter den grau dahineilenden Wolken eben noch schwarzgrau bis braun erschienen, erstrahlen unter der Sonne orange bis ockerfarben. Der Himmel wirkt hier oben wegen der feinen Farbunterschiede so weich und weit. Unter diesem Licht erfahre ich ein Gefühl der Stille und das nicht nur, weil ich hier so selten einen Zweibeiner antreffe.
Im Tal rauscht wie ein Urstrom vor langer, langer Zeit der in der Sonne türkisschimmernde Kuolleluoppal über kleine und große Stromschnellen wild dahin. Blau- und Preiselbeeren gibt es in riesigen Mengen zu pflücken, nur die Erntezeit der so überaus leckeren und so mühsam zu pflückenden Moltebeeren scheint vorüber. Die bunten Blumenteppiche blühen noch in ihrer ganzen Kraft, aber bald wird sie schwinden.
Pünktlich erscheint unser Boot nebst Führer, und als wir auf dem See wieder in rasanter Fahrt zurückdüsen, zeigt uns Lennart noch einen Adler, der sich gemächlich vom Aufwind immer höher auf die Berge zutreiben lässt.
Wir sitzen noch einmal am Ufer des Laitaure. Sehnsüchtig lasse ich meinen Blick über die archaische Landschaft streifen, so als ob ich alle Bilder in meinen Gedanken speichern möchte, um ja nichts zu vergessen.
Nun wartet die 10 km Kräftezehrende Buckelpistenwanderung auf uns. Auch jetzt am Abend wärmt die Sonne noch, taucht die Landschaft in ein faszinierendes Gelborange und schau da, „endlich“ melden sich die so Langerwarteten „Stechflugsaurier“. Dieses Jahr verhalten sie sich aber von ihrer Zahl her recht rücksichtsvoll, das liegt wohl auch an der Jahreszeit, inzwischen ist es Ende August geworden.
Wir haben es geschafft! Einen Augenblick verweilen wir noch am wild dahinbrausenden Sitoätno, dann fallen wir müde in unser Auto und fahren Richtung „Heimat“. Nach ein paar Kilometern, noch vor dem Abzweig nach Jokkmokk, erstreckt sich rechterhand der ausladende Tjaktjajaure, auf dem wir ein Singschwanpärchen entdecken. Wir sind wieder hellwach, springen mit Fernglas und Kamera bewaffnet aus dem Auto und beobachten andächtig die stille und anmutige Szene in der Ferne. Es ist unglaublich, aus welch großer Entfernung diese eleganten Vögel uns noch wahrnehmen, denn sie schauen, obwohl wir versuchen, uns kaum zu bewegen, immer wieder zu uns herüber.
Wir fahren weiter auf unserer Straße nach Årrenjarka. Vor uns am Straßenrand bewegt sich plötzlich etwas Rundliches, Dunkles. Aufmerksam schaue ich und überlege laut, was das sein könnte? Ein Fuchs nicht, ein Rentier oder ein Elchkälbchen sehen auch anders aus. Ich schreie nur noch lauthals: Sofort anhalten! Vor uns, keine hundert Meter entfernt spielen zwei kleine braune Bärenkinder miteinander. Wir glauben unseren Augen nicht zu trauen.
Nach unserer halben Vollbremsung schauen die Kleinen weniger erschreckt als verdutzt und neugierig zu uns hinüber.
Die nächsten Augenblicke spielen sich fast unwirklich und wie im Zeitraffer vor unseren Augen ab. Mama Bär erscheint ca. 30m entfernt neben der Straße am Waldesrand, richtet sich auf ihren Hinterbeinen zu ihrer vollen Größe auf und brummt unmissverständlich ihren Unwillen uns entgegen. Sofort springen die kleinen Fellknäule den Hang hinauf ihr entgegen.
Unverzeihlich, dass die Kamera bereits verstaut ist. Aufgeregt versucht mein Freund sie aus dem Fotorucksack zu wühlen. Allem Anschein nach hat er vor auszusteigen! Fast schreie ich, er solle im Auto bleiben. Das Verhalten von der Bärenmama ist nicht abzuschätzen und überall wird vor Bären gewarnt, die mit ihren Kindern unterwegs sind. Die Bärin zeigt uns unmissverständlich in ihrer ganzen Größe, dass sie den Schutz ihrer Kleinen sehr ernst nimmt. Hochaufgereckt und mit einem kurzen Scheinangriff stellt sie die Verhältnisse sehr deutlich dar und jagt uns einen gewaltigen Schrecken ein. Sofort starten wir das Auto, um die Flucht anzutreten, da sind auch schon die dicke Bärin und ihre Kleinen im nahen, undurchsichtigen Wald verschwunden.
Total aufgewühlt kommen wir in unserer kleinen Stuga an, holen zwei Bier und trinken erst mal auf das Unglaubliche, um das eben Erlebte zu fassen.
Am nächsten Tag erzählten wir den Einheimischen auf dem Campingplatz unser Glück, und selbst sie staunten nicht schlecht, und bestätigten die große Seltenheit unseres Bärentreffs.

Auszug aus Lappland Wandern von Steffi Wunderlich

Kontakt zur Autorin
stef.wunderlich@web.de


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Am Ufer des Tjaktjajaure, Nähe Sarek
Am Ufer des Tjaktjajaure, Nähe Sarek
Arrenjarka mit Kassavare
Arrenjarka mit Kassavare
Auf dem Prinskullen wächst u.a. Zwergweide
Auf dem Prinskullen wächst u.a. Zwergweide
Auf dem Snjerak, Blick auf Sarek
Auf dem Snjerak, Blick auf Sarek
Blick aufs Kvikkjokkdelta
Blick aufs Kvikkjokkdelta
Der wilde gletschergrün schimmernde Kuolleluoppal
Der wilde gletschergrün schimmernde Kuolleluoppal
Nammatj - das Eingangstor zum Sarek
Nammatj - das Eingangstor zum Sarek
Samischer Bootsführer am Rande des Sarek
Samischer Bootsführer am Rande des Sarek
Allgemeine Reiseinfos:
Anreise
Man erreicht die Gegend sowohl auf der Straße als auch per Bahn. Wenn man mit dem Zug fahren will, braucht man von Norddeutschland aus fast zwei Tage. Von Stockholm aus gibt es durchgehende Züge nach Lappland. Um von Süden her in den Sarek zu gelangen, steigt man in Gällivare in den Reisebus um, zunächst nach Jokkmokk und von hier aus weiter nach Kvikkjokk.
Per Anhalter wird die Reisedauer vermutlich ähnlich sein. Wer von Norden her in das Gebiet will, fährt bis Kiruna.
Wandern
Durch den Sarek führt von Süd nach Nord der berühmte Kungsleden, der Königspfad. Er ist eine klassische Wanderroute, die in Kiruna endet. Es gibt weitere wandertaugliche Wege, wobei die Bezeichnung "Weg" teilweise übertrieben ist. Streckenweise muss man über Geröllfelder laufen, auf denen Steinhäufchen gleichwie Bojen zur Orientierung aufgestellt sind. Im besser erschlossenen Padjelanta führen Bohlenwege über sumpfige Stellen hinweg.
Wandern ist übrigens fast die einzige Möglichkeit, um in die Nationalparks zu gelangen. Es bleibt sonst nur noch der Hubschrauber und, entlang der Flussläufe, das Boot. Die Wege sind auf Karten verzeichnet, allerdings kann es passieren, dass an Stellen, wo die Karte eine Brücke vorsieht, nur noch einige Holzreste an den Ufern des reißenden Gebirgsbaches liegen. Man muss in solchen Fällen improvisieren, und es empfiehlt sich unbedingt, in diesem Fahrtengebiet Turnschuhe oder Badelatschen sowie einen stabilen Wanderstock zum Abstützen oder zum Ermitteln der Wassertiefe dabeizuhaben.
Zelten
Ist fast überall möglich. Ein Problem besteht allerdings in den vielen Mücken, die immer dann besonders lästig werden, wenn man sich nicht bewegt. In der Kohte ist ein Feuer die einizge Rettungsmöglichkeit, denn die kleinen Kerbtiere, die unter der Kohtenbahn durchgekrochen kommen, werden dann vom Qualm schnell wieder nach draußen befördert. Generell ist zu empfehlen, an einer windigen Stelle zu zelten, da die Mücken dort nicht so stören.
Im gesamten Gebiet stehen zwei kleine Fjällhütten, die immer offen und für Wanderer frei zugänglich sind. Sie sind gedacht für Leute, die sich in Notsituationen befinden, können aber auch sonst benutzt werden. Sie bieten nicht nur einen Schutz vorm Wetter, sondern auch Lebensmittel, die allerdings nicht immer frisch sind. Wer von den Lebensmitteln etwas verbraucht, sollte nach Möglichkeit etwas anderes dafür zurücklassen. Weitere Hütten sind nur den Samen zugänglich, die in diesem Gebiet ihre Rentierherden haben.
Feuer
Im Nationalpark darf Feuer nur mit herumliegendem Holz gemacht werden. Es gibt dazu genaue Vorschriften. Äste - auch tote - von Bäumen abzureißen, ist verboten. Wenn man sich oberhalb der Baumgrenze aufhält (man kann mehrere Tage wandern, ohne einen Baum zu sehen), stellt sich dieses Problem sowieso nicht. Dort braucht man einen Kocher, um sich ein Süppchen zu kochen.
Klima
Oberhalb des Polarkreises ist der Sommer kurz. Die Reisezeit mit den besten Aussichten auf Sonne und Wärme sind daher die Monate Juli und August. Trotzdem kann man selbst in dieser Jahreszeit in einen Schneesturm geraten, und mit Regen und Nebel muss sowieso gerechnet werden. Wir hatten auf unserer Wanderung jedoch auch regelrecht heiße Tage, an denen uns der Schweiß aus allen Poren lief. An einem flachen See konnten wir in der Sonne liegen wie an einem italienischen Badestrand. Die Wassertiefe betrug auf weiten Strecken lediglich einen halben Meter und die Wassertemperatur ohne weiteres dreißig Grad. Allerdings wurde der See mittlings vom Taraätno durchflossen, und dessen Wasser ist, wie bei allen Fließgewässern hier, erbärmlich kalt.
 
Vom Wandern in Schwedisch Lappland.... Routen - Erlebnisse - Natur und Kultur.
von Andrea Michel

Preis: EUR 20,50
Broschiert - BoD GmbH, Norderstedt
Erscheinungsdatum: November 2002
ISBN: 3034400837

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