Tourentipps Wandern im Tessin 2
 

 !  Wildwasser in den Tälern

Das Val Bavona ist schon für sich einen Besuch wert. Im Seitental des Calnegia aber wird es landschaftlich noch besser.
Das Val Bavona ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht ganzjährig bewohnt. Im April kommen die ersten Bewohner vorwiegend von Cavergno und Bignasco herauf und bleiben bis Ende Oktober. In den Sommermonaten ist erwartungsgemäss das Tal am dichtesten bevölkert. Bis im 16. Jahrhundert war das Val Bavona ganzjährig bewohnt.
Im Val Bavona, wo sehr viel Strom erzeugt wird (drei Kraftwerke und drei Stauseen) gibt es, mit Ausnahme von San Carlo, keinen Strom, daher muss man sich mit Solarzellen, Gas, kleinen Wasserturbinen, Kerzen, Petrol und anderem behelfen.

Fotos: Ente Turistico VallemaggiaVon allen Tälern des Tessins ragt das Val Maggia am weitesten in die Alpenberge hinein. Doch erst an seinem Ende wird es für Outdoorer so richtig interessant. Dort beginnt das wilde Val Bavona. Zu beiden Seiten ragen die Bergflanken steil, fast senkrecht, empor. Im Winter stürzen gewaltige Lawinen über die Felswände hinab. Aus diesem Grund ist es auch nur noch im Sommer von rund 300 Menschen bewohnt. Hat man das kleine Dorf Foroglio erreicht - ob mit dem eigenen Auto oder dem Postbus - steht man dem Eingang eines anderen Tales, dem klitzekleinen Val Calnegia, gegenüber. Ein Wasserfall, der Fiume Calnegia, stürzt von dort kommend ganz in der Nähe der Dorf-Kapelle Santa Maria Assunta in die Tiefe. Ein Postkarten-ldyll schlechthin. Den Wegweisern folgend gelangt man über einen schmalen Trampelpfad neben dem Wasserfall auf die nächste Talstufe hinauf. Über blanken Fels können Lebensmüde dort bis an die Abbruchkante des Falls vorklettern - doch Achtung, ein Ausrutschen würde den sicheren Absturz bedeuten. Fotos: Ente Turistico VallemaggiaIm Val Calnegia führt der Weg auf die andere Talseite, dann stets am Fluss entlang bis zum gleichnamigen Weiler, der malerisch ganz hinten am Talende liegt. Hier strömen drei Kleinflüsse zusammen und bilden den Calnegia, und wie so oft in den Alpen, macht der Talboden am Zusammenfluss einen gewaltigen Höhensprung. Verursacht wurde dieser Sprung von den vergangenen Eiszeiten. Wenn zwei Gletscher in einem engen Tal zusammentreffen, schieben sich die Eismassen aufeinander und verstärken den Erosionsdruck auf die darunter liegenden Gesteine und so ist das Calnegia- das Bavona- und das Maggiatal typisch glazial geprägt, U-förmig mit breitem Talboden und steilen Flanken, mit Höhensprüngen an jedem größeren Zusammenfluss. Mit diesem Wissen kann man sich auf dem Rückweg gut vorstellen, wie einst der gewaltige Eisstrom des Calnegia in Richtung Bavona Tal geflossen ist und dort, wo heute die Wasserfall-Kante über Foroglio sitzt, vom Bavona-Gletscher gestoppt wurde. Erst mit dem Abschmelzen des Eises musste das Wasser das Gefälle überwinden - doch da der örtliche Granit mit seiner Härte nur eine geringe Auswaschung zugelassen hat, fällt das Wasser noch immer steil hinab. Zurück in Foroglio hat man die Wahl, ein gemütlicher Plausch im Grotto - oder ein Bad in der kühlen Bavona an der Brücke von Fontana, oder vielleicht beides?


erstellt am 10.12.02

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 !   In Kürze

CHARAKTER Abwechslungsreiche und bis auf wenige Abschnitte eine recht einfache Wanderung
5 Std. 500 Hm, 9km

ANSPRUCH
Schmaler und zunächst steiler aber nicht ausgesetzter Wanderweg. Kinder sollte man auf diesem Abschnitt nicht aus den Augen lassen.

ROUTE
Foroglio (684 m)- Fiume Calnegia-Calnegia (1108 m) und auf gleichem Wege zurück an den Ausganspunkt Foroglio
AUSGANGSPUNKT: Foroglio
BESTE ZEIT Von Mai bis September. Der Wasserfall ist bei hohem Wasserstand am eindrucksvollsten. Das heißt entweder im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze oder nach kräftigen Regenfällen
ÜBERNACHTUNG
Uno Piu,
6672 Gordevio,
Tel 093/871012

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