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GURGLER
FERNER: DER TALGLETSCHER
Ruhig und Majestätisch ruht er im Gurgler Talschuss des Ötztals.
Ein Risiger Eispanzer, breit und nur sanft abfallend, eingebettet zwischen
dem Schwärzenkamm sowie dem Gratverlauf Firmisanschneid - Schalfkogel
Kleinleitenspitze und der Karlesspitze. Von der Hohen Wilde und vom
Annakogel aus machen sich die Eismassen des Gurgler Ferners zwischen
3420 und 2270 Meter Höhe breit. Sie bilden eine Schneewüste,
die an die Arktis erinnert, unterbrochen nur durch den felsigen Mitterkamm,
der einer Insel gleich bis zu 200 Meter aus den weißen Feldern
heraus ragt. Ein Gletscher, der durch seine Ausdehnung fasziniert, nicht
durch spektakuläre Gletscherbrüche. Beruhigend wirkt seine
behäbige Größe. Noch. Denn die heißen Sommer nagen
auch an der Substanz des Gurgler Ferners. Früher war er gefürchtet:
Sobald sein Eis bis zum Langtalereck reichte, stauten sich die Abflüsse
des Langtaler Femers zu einem großen See. Wären die Wassermassen
des Gletschersees mit einem Mal gen Tal geflutet, hätten sie verheerende
Überschwemmungen gebracht. Doch die Bittgänge der Talbevölkerung
waren stets hilfreich, das Wasser floss immer wieder ab, ohne Schaden
anzurichten. Um eventuelle Flutkatastrophen brauchen sich die Menschen
im Ötztal heute keine Sorgen mehr zu machen. Seit seinem letzten
Maximalstand Mitte des 19. Jahrhunderts, wich der Gurgler Ferner immer
weiter zurück, und wenn nichts passiert, wird das vertraute Bild
von Obergurgl das höchste Kirchdorf Österreichs mit dem ewigen
Eis im Hintergrund bald Schnee von gestern sein. Als der Gurgler Ferner
noch richtig mächtig war, erlangte er einmal sogar weltweite Berühmtheit.
Am 27. Mai 193 l landete der Schweizer Physiker Prof. Auguste Piccard
mit seinem Assistenten nach dem ersten Stratosphärenflug, der bei
Augsburg begann, samt Ballon und Druckgondel auf dem Gletscher. Von
Gurgl aus sieht man von diesem nur einen Bruchteil. Die ganze Dimension
des über elf Quadratkilometer großen Ferners (zum Vergleich:
1888 bedeckte er noch eine Fläche von 14,49 Quadratkilometer) überblickt
man am besten vom Ramolhaus, das wie ein Adlerhorst auf gut 3000 Meter
Höhe in den steilen Hängen des Spiegelkogels klebt. Wanderer
können dic Hütte auf schönem Steig von Obergurgl aus
erreichen. Rund acht Kilometer lang und bis zu drei Kilometer breit
ist der Gurgler Ferner. Da nehmen sich die 8,8 Meter, die der Gletscher
vom Jahr 2000 auf 2001 zurückgegangen ist (nach 7,2 und l5,8 Metern
in den Vorjahren), vergleichsweise harmlos aus. Doch die Tendenz hält
schon lange an, auch die Eisdicke nimmt unvermindert ab und der unterste
Zungenteil zeigt starke Zerfallserscheinungen. Wegen Eiseinbrüchen
musste sogar der markierte Weg zum Ramolhaus verlegt werden. Ein Beispiel
für den Eisrückgang ist auch der Kleinleitenferner, der noch
in den 70er und 80er Jahren mit dem Gurgler Ferner verbunden war. Heute
trennt die beiden wie bereits in den 50er und 60er Jahren eine hohe
Felsstufe.
INFO:
Lange Bergtour ohne große Schwierigkeiten. Ideal ist eine Aufteilung
auf zwei Tage mit Übernachtung auf dem Ramolhaus. Grödeln
können bei der Querung des Gurgler Ferners hilfreich sein.
Talort: Obergurgl (1910 m)
Route:
Von Obergurgl auf dem Weg Nr 902 durch die sonnseitigen Hänge unterhalb
von Gampleskogel und Ramolkogel zum Ramolhaus (3006 m) Abstieg auf den
Gurgler Ferner - Ouerung der Gletscherzunge und Gegenanstieg (100 Hm)
- entweder Abstecher zum Hochwildehaus (2866 m) oder Abstieg auf Weg
Nr 922 über die Langtalereckhütte (2430 m) und die Schönwieshütte
(2262 m) nach Obergurgl, 8,5 - 9 Std.
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