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Zuhause
kommt das Wasser aus dem Hahn. Wer aber auf Tour ist, muss sich das
kühle Nass in der freien Natur suchen. Sind die Flüsse und Seen unseres
Planeten aber nicht allesamt belastet und verschmutzt? Oder gibt es
doch noch Trinkwasser in der Natur? Ja, es gibt, man muss nur lernen,
die Zeichen richtig zu deuten. Denn eigentlich sind die Regeln ganz
einfach und man braucht dazu nicht einmal einen Biologie-Baukasten.
Zur
Wasserreinigung stehen einige Möglichkeiten zur Verfügung,
die je nach Gebiet und Dauer des Einsatzes unterschiedliche Vor- und
Nachteile haben. Dazu gehören vor allem Filter, Tabletten, Pulver
und flüssige Lösungen
Ein Wasserfilter ist eine sehr effektive Methode zur Wasserreinigung.
Bevor man das Wasser mit solch einem Filter reinigt, sollte man es vorher
mechanisch reinigen, um die Schwebteilchen zu eliminieren, zum Beispiel
mit einem Kaffeefilter oder mit einem Baumwolltuch - oder man lässt
die Teilchen einfach in einem Topf absinken. Das erspart Ihnen Arbeit
beim Reinigen der Filterkerzen und erhöht die Lebensdauer der Filterelemente.
Bei der Wahl des Filters stehen folgende Alternativen zur Verfügung:
Einige Viren flutschen durch den Filter.
Keramik
ist ein Größenfilter deshalb ist die Größe der
Erreger interessant. Viren sind etwa 200 Nanometer (2110 000 Millimeter),
Bakterien 2000 Nanometer klein, Protozoen sind wesentlich größer.
Der Keramik-Filter weist nur 200 Nanometer Porengröße auf.
(nicht bei allen). Damit werden alle größeren Partikel, Bakterien
und viele Viren an einem Durchdringen gehindert. Für Viren sind
zum Teil auch größere Durchmesser als 200 Nanometer wirksam,
da sie einen Wirt zum überleben brauchen - und der kann etwas größer
sein. Es rutschen aber auch einige Viren durch. Außerdem können
damit weder chemische Verunreinigungen noch Farbe und schlechter Geschmack
herausgefiltert werden. Schwebstoffe können mit der Zeit die Außenseite
des Filters blockieren, diese muss deshalb mit dem mitgelieferten Schwamm
abgeschrubbt werden. Bei den Handfiltern muss Wasser durch den Filter
durchgepumpt werden Es gibt aber auch Siphonfiltern für größere
Wassermengen. Bei ihnen muss nicht gepumpt werden Der Nachteil ist das
große Packmaß, das höhere Gewicht - und es dauert einfach
länger da das Wasser nur träge tropft.
Membran-Filter:
Einige Filtersysteme arbeiten zusätzlich mit einem medizinischen
Membranfilter, der ebenfalls ein Größenfilter ist. Allerdings
ist die Porengröße bis zu 100 Nanometer klein, also doppelt
so fein wie übliche Keramikfilterkerzen. Dadurch filtern sie wesentlich
mehr Virenarten heraus. Diese Membranfilter haben eine deutlich geringere
Lebensdauer als ein Keramikelement.
Aktivkohle-Filter sind im Unterschied zu Keramik und
Membranen, Oberflächenfilter, das heißt sie binden chemische
Bestandteile wie Geschmackstoffe, Herbizide und Pestizide größtenteils
oberflächlich. Allerdings werden sie meist in Kombination mit Keramik
angeboten. Ein Aktivkohleelement kann man nicht wie die Keramikkerzen
einfach abschrubben, ist die Oberfläche gesättigt, ist es
mit der Wirkung zu Ende. Verwendet man einen gesättigten Filter
können sich die angesammelten Gifte schwallweise lösen und
das Wasser somit stark verseuchen. Um das zu prüfen, filtern Sie
etwas Kaffee, schmeckt das Wasser danach noch nach Kaffee, muss das
Filterelement ersetzt werden. Oder man pumpt vorher gefärbtes Wasser
(ist in der Regel draußen der Fall) durch. Kommt das Wasser danach
klar heraus, ist der Filter noch in Ordnung. Wasserfllter müssen
gewartet werden. Nach jeder Tour sollte der Filter mit Trinkwasser gespült
und danach für 72 Stunden langsam getrocknet werden. Erst dann
sollte er luftig verpackt, im Regal landen. Falls man den Filter auch
unterwegs reinigen möchte, nimmt man eine Backpulverlösung
oder Kukident. Diese im Wasser auflösen und das "schaumige"
Wasser in den Filter einpumpen, um alle Teile zu erreichen. Danach zirka
zwei Liter klares Wasser zum Nachspülen verwenden. Nach längerer
Zeit ohne Benutzung ist es zu empfehlen, die ersten ein bis zwei Liter
vor der Wasserentnahme der Sicherheit zu opfern, da sich im
Ausflussbereich einiges an Erregern ansammeln könnte. Einige Hersteller
wie zum Beispiel Katadyn bauen Silber in den Filter ein, so von Katadyn,dass
keine Erreger überleben können. Sollte der Filter mit Schimmel
besetzt sein, können Sie die
Filterkerze über Nacht ebenfalls in Baking Soda einlegen und am
nächsten Tag wieder durch einen Filtervorgang reinigen. Die Filterkerzen
sollten nicht abgekocht werden, da die Kunststoffteile an den Kerzen
meist nur bis 80°C formbeständig bleiben. Einige Filter-Hersteller
geben eine konkrete maximale Durchflussmenge Ihrer Filter an. Diese
gehen bei Handfiltern bis zu 50 000 Litern. Diese Angaben sollte man
aber mit Vorsicht genießen, da viele Tests mit optisch klarem
Wasser durchgeführt wurden. Praxisnäher sind Angaben über
die möglichen Reinigungsvorgänge der Filterkerzen, bis diese
ausgetauscht werden sollten. Kaufen Sie sich jedoch lieber eine Kerze
mehr als die Grenze der Kapazität zu testen. Tipp:
Schon beim Kauf des Filters auf die Preise der Ersatzkerzen achten.
Zur Not lässt sich ein Wasserfilter auch selbst konstruieren. Für
Schwebeteilchen und die daran hängenden Erreger ist er ausreichend,
für wirklich stark verschmutztes Wasser nicht mehr. Aber Sie können
so trübes Wasser von den meisten Sedimenten befreien und anschließend
chemische Hilfsmittel anwenden. Und so geht es: Einer PET-Flasche (zum
Beispiel Cola-Flasche) den Boden abschneiden und den Ausfluss mit Watte
(Tampon), Taschentuch oder Gewebestück schließen. Flasche
umdrehen und von oben füllen, zwei Zentimeter sauberen Kies auffüllen,
zirka vier Zentimeter sauberer Sand, vier Zentimeter zerriebene, reine
Holzkohle sowie zwei Zentimeter grobe Holzkohlestücke. Watte, Taschentuch
oder Gewebe als Zwischenlage einlegen, den ganzen Vorgang wiederholen,
und fertig ist der Filter. Je höher die Dichte des Füllmaterials
ist, desto höher ist auch die Sauberkeit. Dadurch verringert sich
jedoch die Durchflussgeschwindigkeit. Der erste Liter sollte nicht verwendet
werden.
Chemische
Reinigung: leicht und effektiv
Der Nachteil von Wasserfiltern, Sie sind schwer und teilweise sperrig.
Als Alternative dazu bieten sich Tabletten an, Sie helfen wirkungsvoll
gegen die meisten Erreger. Das Wasser muss allerdings vor der Behandlung
schon optisch klar sein, außerdem brauchen sie eine gewisse Einwirkzeit,
bei Filtern hat man ruck, zuck Trinkwasser parat. Je nach Konzentration
sind die Tabletten, Lösungen und Pulver sehr wirkungsvoll .Chlor
ist das weltweit meistgenutzte Wasseraufbereitungsmittel. Es wirkt innerhalb
von 30 bis 60 Minuten und eliminiert Bakterien, Viren und meist auch
Protozoen, indem es ihre Zellfunktionen stört. Ganz wichtig ist
eine genaue Dosierung. So können manche Krankheitserreger erst
bei einer bestimmten Menge und Dauer abgetötet werden (Packungsbeilage
beachten). Für Protozoen braucht man zum Beispiel eine zehn Mal
höhere Menge als für Bakterien. Chlor ist laut WHO unbedenklich
für den Organismus, wenn dieses nicht über Monate oder Jahre
in übermengen konsumiert wird. Neben der Dosierung und Einwirkzeit
hat Chlor noch ein paar Nachteile. Bei trübem Wasser das mit organischen
Schwebteilchen wie Algen verunreinigt ist, funktioniert Chlor kaum,
da es sich an die Schwebteilchen haftet und gar nicht zu den eigentlichen
Erregern vordringen kann. Schlimmer noch: Zusammen mit den Schwebteilchen
können Chlornebenprodukte wie Chloroform entstehen, die gesundheitsschadlich
sind. Außerdem tötet Chlor die Erreger nur einmal ab, danach
kann das Wasser unter Umständen wieder verkeimen (nur bei reinen
Chlorprodukten). Letzte Einschrankung der teilweise unangenehme Chlorgeruch.
Der kann allerdings mit einem Antichlor-Mittel beseitigt werden und
ist bei richtiger Dosierung auch halb so schlimm. Chlorpräparate
gibt es als Tabletten (Certisil, Micropur Forte), Pulver (Certisil)
und in flüssiger Form (Certisil, Drinkwell, Romin) . Silberionenpräparate
eignen sich fast nur zur Konservierung von sauberem Wasser und nicht
zur Entkeimung, wie immer noch haufig vermutet wird Silberionen können
allenfalls manche Bakterien inaktivieren, gegen Viren und Protozoen
helfen sie nicht. Es wird nach der Behandlung mit Chlor oder nach dem
mechanischen Filter ins Wasser gegeben, die Einwirkzeit beträgt
zirka 60 Minuten. Man sollte Silber aber nicht in billigen Alubehältern
anwenden. Für Outdoor-Touren ist Silber oft nicht notwendig, da
die Entkeimung durch Chlor einige Tage anhält, in den Tropen kann
Wasser aber sehr schnell wieder verkeimen. Silber ist zum Beispiel für
Wüstentouren praktisch, da man große Wasservorräte mitschleppen
muss. Katadyn und Certisil bieten seit einigen Jahren einige Kombimittel
aus Chlor und Silber an, die die Vorzüge von Chlor und Silber vereinen
Abkochen: wirksam, aber nur in Waldregionen praktisch.
Sauerstoff wird bei Aquamira verwendet. Basis sind
zwei verschiedene Mittel (Chlordioxid und Phosphorsäure) Beide
werden zusammengeschüttet und ins Wasser gegeben. Dort bilden sich
Sauerstoffradikale, die die Erreger abtöten, vorteil sehr effektiv
kein Chlorgeruch, nachteil: teurer und aufwendiger in der Anwendung
als Chlor.
Jod ist ein wirksames Mittel, kann aber bei Schilddrüsenproblemen
zum Ausbruch der Krankheit führen und ist deshalb in Deutschland
nicht als Zusatzmittel zugelassen. Eine der einfachsten Möglichkeiten
zur Reinigung von Wasser ist das Abkochen. Das Wasser muss (auf Meereshöhe)
zehn Minuten sprudelnd kochen, um alle Erreger abzutöten. Nachteile
wegen hohem Brennstoffverbrauch nur zu empfehlen, wenn man Feuer machen
darf, es schützt weder vor Chemikalien noch vor Wiederverkeimung,
und in großen Höhen wird das Wasser beim Kochen nicht heiß
genug. Wir hoffen die Tipps helfen bei der nächsten Tour.
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