Know-How , Wasser Teil 2

Heute wollen wir das Thema: Trinkwasser aufbereiten noch einmal aufgreifen.

 

Zuhause kommt das Wasser aus dem Hahn. Wer aber auf Tour ist, muss sich das kühle Nass in der freien Natur suchen. Sind die Flüsse und Seen unseres Planeten aber nicht allesamt belastet und verschmutzt? Oder gibt es doch noch Trinkwasser in der Natur? Ja, es gibt, man muss nur lernen, die Zeichen richtig zu deuten. Denn eigentlich sind die Regeln ganz einfach und man braucht dazu nicht einmal einen Biologie-Baukasten.

Zur Wasserreinigung stehen einige Möglichkeiten zur Verfügung, die je nach Gebiet und Dauer des Einsatzes unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. Dazu gehören vor allem Filter, Tabletten, Pulver und flüssige Lösungen
Ein Wasserfilter ist eine sehr effektive Methode zur Wasserreinigung. Bevor man das Wasser mit solch einem Filter reinigt, sollte man es vorher mechanisch reinigen, um die Schwebteilchen zu eliminieren, zum Beispiel mit einem Kaffeefilter oder mit einem Baumwolltuch - oder man lässt die Teilchen einfach in einem Topf absinken. Das erspart Ihnen Arbeit beim Reinigen der Filterkerzen und erhöht die Lebensdauer der Filterelemente. Bei der Wahl des Filters stehen folgende Alternativen zur Verfügung:
Einige Viren flutschen durch den Filter.
Keramik ist ein Größenfilter deshalb ist die Größe der Erreger interessant. Viren sind etwa 200 Nanometer (2110 000 Millimeter), Bakterien 2000 Nanometer klein, Protozoen sind wesentlich größer. Der Keramik-Filter weist nur 200 Nanometer Porengröße auf. (nicht bei allen). Damit werden alle größeren Partikel, Bakterien und viele Viren an einem Durchdringen gehindert. Für Viren sind zum Teil auch größere Durchmesser als 200 Nanometer wirksam, da sie einen Wirt zum überleben brauchen - und der kann etwas größer sein. Es rutschen aber auch einige Viren durch. Außerdem können damit weder chemische Verunreinigungen noch Farbe und schlechter Geschmack herausgefiltert werden. Schwebstoffe können mit der Zeit die Außenseite des Filters blockieren, diese muss deshalb mit dem mitgelieferten Schwamm abgeschrubbt werden. Bei den Handfiltern muss Wasser durch den Filter durchgepumpt werden Es gibt aber auch Siphonfiltern für größere Wassermengen. Bei ihnen muss nicht gepumpt werden Der Nachteil ist das große Packmaß, das höhere Gewicht - und es dauert einfach länger da das Wasser nur träge tropft.
Membran-Filter: Einige Filtersysteme arbeiten zusätzlich mit einem medizinischen Membranfilter, der ebenfalls ein Größenfilter ist. Allerdings ist die Porengröße bis zu 100 Nanometer klein, also doppelt so fein wie übliche Keramikfilterkerzen. Dadurch filtern sie wesentlich mehr Virenarten heraus. Diese Membranfilter haben eine deutlich geringere Lebensdauer als ein Keramikelement.
Aktivkohle-Filter sind im Unterschied zu Keramik und Membranen, Oberflächenfilter, das heißt sie binden chemische Bestandteile wie Geschmackstoffe, Herbizide und Pestizide größtenteils oberflächlich. Allerdings werden sie meist in Kombination mit Keramik angeboten. Ein Aktivkohleelement kann man nicht wie die Keramikkerzen einfach abschrubben, ist die Oberfläche gesättigt, ist es mit der Wirkung zu Ende. Verwendet man einen gesättigten Filter können sich die angesammelten Gifte schwallweise lösen und das Wasser somit stark verseuchen. Um das zu prüfen, filtern Sie etwas Kaffee, schmeckt das Wasser danach noch nach Kaffee, muss das Filterelement ersetzt werden. Oder man pumpt vorher gefärbtes Wasser (ist in der Regel draußen der Fall) durch. Kommt das Wasser danach klar heraus, ist der Filter noch in Ordnung. Wasserfllter müssen gewartet werden. Nach jeder Tour sollte der Filter mit Trinkwasser gespült und danach für 72 Stunden langsam getrocknet werden. Erst dann sollte er luftig verpackt, im Regal landen. Falls man den Filter auch unterwegs reinigen möchte, nimmt man eine Backpulverlösung oder Kukident. Diese im Wasser auflösen und das "schaumige" Wasser in den Filter einpumpen, um alle Teile zu erreichen. Danach zirka zwei Liter klares Wasser zum Nachspülen verwenden. Nach längerer Zeit ohne Benutzung ist es zu empfehlen, die ersten ein bis zwei Liter vor der Wasserentnahme der Sicherheit zu opfern, da sich im
Ausflussbereich einiges an Erregern ansammeln könnte. Einige Hersteller wie zum Beispiel Katadyn bauen Silber in den Filter ein, so von Katadyn,dass keine Erreger überleben können. Sollte der Filter mit Schimmel besetzt sein, können Sie die Filterkerze über Nacht ebenfalls in Baking Soda einlegen und am nächsten Tag wieder durch einen Filtervorgang reinigen. Die Filterkerzen sollten nicht abgekocht werden, da die Kunststoffteile an den Kerzen meist nur bis 80°C formbeständig bleiben. Einige Filter-Hersteller geben eine konkrete maximale Durchflussmenge Ihrer Filter an. Diese gehen bei Handfiltern bis zu 50 000 Litern. Diese Angaben sollte man aber mit Vorsicht genießen, da viele Tests mit optisch klarem Wasser durchgeführt wurden. Praxisnäher sind Angaben über die möglichen Reinigungsvorgänge der Filterkerzen, bis diese ausgetauscht werden sollten. Kaufen Sie sich jedoch lieber eine Kerze mehr als die Grenze der Kapazität zu testen. Tipp: Schon beim Kauf des Filters auf die Preise der Ersatzkerzen achten. Zur Not lässt sich ein Wasserfilter auch selbst konstruieren. Für Schwebeteilchen und die daran hängenden Erreger ist er ausreichend, für wirklich stark verschmutztes Wasser nicht mehr. Aber Sie können so trübes Wasser von den meisten Sedimenten befreien und anschließend chemische Hilfsmittel anwenden. Und so geht es: Einer PET-Flasche (zum Beispiel Cola-Flasche) den Boden abschneiden und den Ausfluss mit Watte (Tampon), Taschentuch oder Gewebestück schließen. Flasche umdrehen und von oben füllen, zwei Zentimeter sauberen Kies auffüllen, zirka vier Zentimeter sauberer Sand, vier Zentimeter zerriebene, reine Holzkohle sowie zwei Zentimeter grobe Holzkohlestücke. Watte, Taschentuch oder Gewebe als Zwischenlage einlegen, den ganzen Vorgang wiederholen, und fertig ist der Filter. Je höher die Dichte des Füllmaterials ist, desto höher ist auch die Sauberkeit. Dadurch verringert sich jedoch die Durchflussgeschwindigkeit. Der erste Liter sollte nicht verwendet werden.

Chemische Reinigung: leicht und effektiv
Der Nachteil von Wasserfiltern, Sie sind schwer und teilweise sperrig. Als Alternative dazu bieten sich Tabletten an, Sie helfen wirkungsvoll gegen die meisten Erreger. Das Wasser muss allerdings vor der Behandlung schon optisch klar sein, außerdem brauchen sie eine gewisse Einwirkzeit, bei Filtern hat man ruck, zuck Trinkwasser parat. Je nach Konzentration sind die Tabletten, Lösungen und Pulver sehr wirkungsvoll .Chlor ist das weltweit meistgenutzte Wasseraufbereitungsmittel. Es wirkt innerhalb von 30 bis 60 Minuten und eliminiert Bakterien, Viren und meist auch Protozoen, indem es ihre Zellfunktionen stört. Ganz wichtig ist eine genaue Dosierung. So können manche Krankheitserreger erst bei einer bestimmten Menge und Dauer abgetötet werden (Packungsbeilage beachten). Für Protozoen braucht man zum Beispiel eine zehn Mal höhere Menge als für Bakterien. Chlor ist laut WHO unbedenklich für den Organismus, wenn dieses nicht über Monate oder Jahre in übermengen konsumiert wird. Neben der Dosierung und Einwirkzeit hat Chlor noch ein paar Nachteile. Bei trübem Wasser das mit organischen Schwebteilchen wie Algen verunreinigt ist, funktioniert Chlor kaum, da es sich an die Schwebteilchen haftet und gar nicht zu den eigentlichen Erregern vordringen kann. Schlimmer noch: Zusammen mit den Schwebteilchen können Chlornebenprodukte wie Chloroform entstehen, die gesundheitsschadlich sind. Außerdem tötet Chlor die Erreger nur einmal ab, danach kann das Wasser unter Umständen wieder verkeimen (nur bei reinen Chlorprodukten). Letzte Einschrankung der teilweise unangenehme Chlorgeruch. Der kann allerdings mit einem Antichlor-Mittel beseitigt werden und ist bei richtiger Dosierung auch halb so schlimm. Chlorpräparate gibt es als Tabletten (Certisil, Micropur Forte), Pulver (Certisil) und in flüssiger Form (Certisil, Drinkwell, Romin) . Silberionenpräparate eignen sich fast nur zur Konservierung von sauberem Wasser und nicht zur Entkeimung, wie immer noch haufig vermutet wird Silberionen können allenfalls manche Bakterien inaktivieren, gegen Viren und Protozoen helfen sie nicht. Es wird nach der Behandlung mit Chlor oder nach dem mechanischen Filter ins Wasser gegeben, die Einwirkzeit beträgt zirka 60 Minuten. Man sollte Silber aber nicht in billigen Alubehältern anwenden. Für Outdoor-Touren ist Silber oft nicht notwendig, da die Entkeimung durch Chlor einige Tage anhält, in den Tropen kann Wasser aber sehr schnell wieder verkeimen. Silber ist zum Beispiel für Wüstentouren praktisch, da man große Wasservorräte mitschleppen muss. Katadyn und Certisil bieten seit einigen Jahren einige Kombimittel aus Chlor und Silber an, die die Vorzüge von Chlor und Silber vereinen
Abkochen: wirksam, aber nur in Waldregionen praktisch.
Sauerstoff wird bei Aquamira verwendet. Basis sind zwei verschiedene Mittel (Chlordioxid und Phosphorsäure) Beide werden zusammengeschüttet und ins Wasser gegeben. Dort bilden sich Sauerstoffradikale, die die Erreger abtöten, vorteil sehr effektiv kein Chlorgeruch, nachteil: teurer und aufwendiger in der Anwendung als Chlor.
Jod ist ein wirksames Mittel, kann aber bei Schilddrüsenproblemen zum Ausbruch der Krankheit führen und ist deshalb in Deutschland nicht als Zusatzmittel zugelassen. Eine der einfachsten Möglichkeiten zur Reinigung von Wasser ist das Abkochen. Das Wasser muss (auf Meereshöhe) zehn Minuten sprudelnd kochen, um alle Erreger abzutöten. Nachteile wegen hohem Brennstoffverbrauch nur zu empfehlen, wenn man Feuer machen darf, es schützt weder vor Chemikalien noch vor Wiederverkeimung, und in großen Höhen wird das Wasser beim Kochen nicht heiß genug. Wir hoffen die Tipps helfen bei der nächsten Tour.


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