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»Sie wollen zwei Wochen auf Tour
gehen? Dann brauchen Sie mindestens einen 70 Liter Rucksack,
erklärt mir der Verkäufer. Da! Nehmen Sie den da. Der ist
super! Damit können Sie bis auf den Everest! Wiedersprechen möchte
ich nicht, stelle Unterschiede zwischen den Rucksäcken nur in der
Farbe fest. Doch muss es wirklich solch ein großer Rucksack sein?
Da kann ich ja meinen halben Hausrat über die Berge schleppen!
Aber das Ziel einer Wandertour ist es ja nicht, möglichst viel
zu schleppen, sondern sich zu erholen. Was aber macht einen guten Rucksack
überhaupt aus? Woran erkennt man einen passenden und gut verarbeiteten
Sack? Wie packt man ihn, und worauf muss man sonst noch achten?
Trekkingrucksäcke unterscheiden sich zunächst
einmal nach der Größe. Bei ca 40 Liter Volumen geht es los,
Riesentüten erreichen bis zu 130 Liter. Doch welche Größe
brauchen Sie? Das hängt von mehreren Faktoren ab :
Art der Unterkunft übernachten Sie im eigenen Zelt? Dann brauchen
Sie zusätzlich auch lsomatte und Schlafsack. Kochen Sie ihre eigene
Suppe, brauchen Sie neben der Suppe auch Kocher Brennstoff und Töpfe.
Jahreszeit Ihrer Reise? Im Winter brauchen Sie dickere Kleidung, einen
wärmeren Schlafsack und viel Brennstoff, um den Schnee zu schmelzen.
Dauer Ihrer Reise? Für längere Touren benötigen Sie mehr
Kleidung, und wenn Sie unterwegs keine Lebensmittel nachkaufen können,
auch mehr Proviant.
Ziel der Reise? In südlichen Gefilden brauchen Sie oft einen Wasserfilter
und in trockenen Gegenden müssen Sie dazu einen großen Vorrat
an Flüssigkeit mitschleppen.
Unternehmungen? In großer Höhe erfordern wiederum eine spezielle
Ausrüstung wie Helm oder Eispickel.
Extratouren. Wenn Sie abends auch mal fein ausgehen wollen oder einen
Berg am Wegesrand besteigen möchten, brauchen Sie dafür spezielle
Ausrüstung doch prüfen Sie, was Sie vor Ort ausleihen können.
Als grobe Faustregel gilt: Für Hüttentouren reichen um die
40 Liter Volumen, ein richtiger Trekkingrucksack sollte ca 60-70 Liter
haben. Noch größere Modelle sind nur für lange Touren
von über zwei Wochen geeignet, bei denen man auch das komplette
Futter mitschleppt. Außerdem ist bei einem großen Rucksack
die Versuchung groß, Ihn auch vollzupacken.
Tausend tolle Tragesysteme.
Nachdem Sie nun ungefähr wissen, welche Größe Sie brauchen,
gehen Sie ins Fachgeschäft. Dort haben Sie womöglich die Wahl
zwischen 15 Modellen in Ihrer gewünschten Größe. Hier
gilt nur eines, anprobieren! Da Sie kaum Zeit und Lust haben werden,
alle vorrätigen Modelle ausgiebig zu testen, machen Sie eine Vorauswahl
und schauen Sie sich das Herz eines Rucksacks an, das Tragesystem. Es
besteht aus Schultergurten, Hüftgurt und einem Gestell, das meistens
innen im Rucksack verläuft (in der Regel handelt es sich um zwei
Alustäbe) Zusammen mit dem Hüftgurt sorgt dieses Gestell dafür
dass ein Großteil des Gewichts (ca. 70% auf die Hüfte übertragen
wird. Das ist sehr wichtig, denn bei schlechten Rucksäcken hängt
zu viel Gewicht auf den Schultern, was schmerzhaft und anstrengend ist.
Mit den Beinen trägt es sich einfach entspannter. Ob die Alustäbe
des Gestells nun parallel oder v-förmig angeordnet sind, ist nicht
so wichtig. Wichtiger ist da schon ein verwindungssteifer Hüftgurt.
Je schwerer die zu tragende Last, desto steifer muss er sein. Prüfen
Sie den Hüftgurt. Er sollte innen konkav gewölbt und relativ
weich sein, außen muss er fest und stabil sein. Ein dicker Hüftgurt
istt nicht unbedingt ein guter Hüftgurt! Die Schultergurte sollten
s-förmig, also anatomisch, gebogen und nicht zu weich sein. Von
Vorteil ist, wenn alle Materialien, die am Körper aufliegen (Hüft-
und Schultergurte, Rückenpolster), aus schnelltrocknendem Material
bestehen (z B Air-Mesh) Ob das Tragesystem wirklich was taugt, merken
Sie erst, wenn Sie einen beladenen Rucksack aufsetzen. Zunächst
muss der Rucksack aber passen. Das obere Drittel des Hüftgurtes
sollte das Becken umschließen und die Schultergurte auf den Schultern
aufliegen. Gerade bei kleineren Rucksäcken sind die Rückenlängen
- also der Abstand zwischen Hüftgurt und Schultergurten, nicht
verstellbar, oft gibt es das Modell dann in verschiedenen Größen.
Bei den meisten Trekkingrucksäcken mit einem Volumen um die 60/70
Liter kann man die Rückenlänge verstellen. Lassen Sie sich
das vom Verkäufer erklären und einstellen. Manche Hersteller
protzen mit ruckizucki-Verstellmethoden, lassen Sie sich davon nicht
blenden. In der Regel stellen Sie die Länge nur einmal ein, nämlich
bevor es losgeht.Danach brauchen Sie es nie wieder. Wenn nun die Rückenlänge
passt, aber Hüftgurt oder Schultergurte zu lang oder zu kurz sind,
dann fragen Sie im Laden nach anderen Gurt-Größen. Denn einige
Hersteller bieten verschiedene Hüft- und Schultergurte für
ein und den selben Rucksack an. Ansonsten probieren Sie ein anderes
Modell.
Passt
der Sack?
Lassen Sie sich nun Ihre Favoriten mit ca 15 Kilo bepacken, denn nur,
dann können Sie beurteilen, ob das Tragesystem was taugt. Achten
Sie darauf dass die Rucksäcke gleichartig und realistisch gepackt
sind, also nicht einfach mit Schaumstoff ausgestopft sind oder ein paar
schwere Seile reingeworfen wurden. Lockern Sie alle Riemen und setzen
Sie den Rucksack auf. Ziehen Sie zuerst den Hüftgurt fest, er sollte
den Hüftknochen umschließen. Danach straffen Sie die Schulterriemen
und zuletzt die Lastenverstellriemen (sie laufen oben vom Packsack auf
die Schulterriemen hinab, optimal im Winkel von 30 bis 50 Grad zur Ebene)
Mit ihnen kann man die Last an den Körper heranziehen (gute Kontrolle)
oder wegkippen lassen (gute Belüftung) Dann gehen Sie nicht nur
gemächlich auf und ab, sondern bewegen sich! Hüpfen Sie, laufen
Sie, bücken Sie sich, rudern Sie mit den Armen, machen Sie Ausfallschritte,
steigen Sie Treppen auf und ab. Lassen Sie den Rucksack für mehr
als fünf Minuten auf und versuchen Sie, Druckstellen zu orten (Hüfte,
Schultern) Verlagern Sie das Gewicht mal auf die Hüfte, mal auf
dIe Schultern. Schauen Sie sich auch Material und Verarbeitung Ihrer
Favoriten an. Das Gewebe sollte aus robustem Nylon- oder Polyesterstoff
bestehen. Grundsätzlich ist Nylon robuster aber ein schweres Polyestergewebe
kann besser sein als ein labberiges Nylon. Je grober der Stoff desto
robuster aber auch desto schwerer ist er. Schauen Sie sich Details an.
Sind die Nähte eingefasst, also mit einem Extraband umnäht?
Ist der Reißverschluß des Bodenfaches ausreichend stabil
(je grober desto besser)? Wurden gute MarkenSchnallen (z.B. National
Molding) und Reißverschlüsse verwendet (Opti, Salmi, YKK)?
Ist das Bodenfach aus kräftigem Material oder sogar gedoppelt?
Ein guter Trekkingrucksack mit 60/70 Liter Volumen kostet zwischen 110,-
und 220,- €,Unter 100,-€ gibt's nur Schrott, über 200,-€
bekommen Sie vor allem Modelle, die auch Lasten jenseits von 25 Kilo
ertragen lassen. Schauen Sie sich auch die Ausstattung an, viel hängt
hier vom persönlichen Geschmack ab. Sehr verbreitet ist ein höhenverstellbarer
Deckel. So kann man z B zusätzliche Ausrüstung darunterklemmen.
Fest angenähte Seitentaschen sind auf den ersten Blick praktisch,
man bleibt damit aber schneller hängen. Kaufen Sie lieber optionale
Seitentaschen, die sich an fast jedem Rucksack anbringen lassen. Seitlich
am Boden angebrachte Fächer sind nützlIch, um z. B. ein Zeltgestänge
zu befestigen oder bei ausreichender Größe eine Wasserflasche
griffbereit zu transportieren. Ein innenliegendes Dokumentenfach schützt
Geld und Papiere. Allgemein gilt: Je mehr Schnickschnack an einem Rucksack
dran ist, desto mehr kann auch kaputtgehen.
Packwut
Jetzt sitzen Sie zu Hause vor Ihrem Sack und einem Berg von Ausrüstung.
Bevor Sie die Sachen wild in den Sack werfen, beachten Sie ein paar
Packregeln: schwere Dinge (z B Essen) oben zwischen die Schultern, leichte
Sachen (z. B Schlafsack) nach unten und nach außen. Halten Sie
jene Sachen, die Sie unterwegs brauchen (z B Regenhose oder Schweizer
Messer) griffbereit, auch das Erste-Hilfe Set sollten Sie nicht allzu
tief vergraben. Das Zeltgestänge können Sie außen unter
die Kompressionsriemen und in das Seitenfach schieben. Passt nicht alles
hinein, können Sie die lsomatte in einen wasserdichten Packsack
(z B von Ortlieb) rollen, in den verbleibenden Hohlraum den Schlafsack
stopfen und diese Packrolle vor das Bodenfach schnallen, so werden die
zwei wichtigsten Sachen garantiert nicht nass. Stichwort nass. Nur spezielle
Rucksäcke sind wasserdicht, bei normalen Trekkingrucksäcken
sind einfach zu viele Nähte und Reißverschlüsse dran,
die irgendwann Wasser eindringen lassen. Je nach Güte der Beschichtung
hält ein Rucksack über einige Zeit Regen ab. Fahren Sie in
ein Schlechtwettergebiet, haben Sie zwei Möglichkeiten: eine Extra
Regenhülle mitnehmen oder empfindliche Dinge wie Schlafsack oder
Ersatzklamotten, in Plastikbeutel packen, so sorgen Sie gleich noch
für Ordnung im Rucksack.
Auf die Reise, fertig, ...
Ihr Rucksack ist perfekt gepackt, wiegt aber über 20 Kilo, und
Sie können ihn nur hilflos über den Boden schleifen? So setzen
Sie Ihn leicht auf, stellen Sie ihn auf die Bettkante, machen eine Kniebeuge,
schlüpfen in die Gurte und schwupps, sitzt er! Wie? Sie nehmen
Ihr Bett nicht mit? Dann versuchen Sie es so: Ihre rechte Hand fasst
den Tragegurt, die linke den Schultergurt, gehen Sie leicht in die Hocke,
ziehen den Sack mit Schwung nach oben zu sich hin auf ihren Oberschenkel.
Jetzt fassen Sie mit der linken Hand unter der rechten hindurch und
schlüpfen mit einer eleganten Drehung erst in den linken, dann
in den rechten Schultergurt. Klingt kompliziert, ist aber nicht so schwer.
Üben Sie es ein paarmal, dann beherrschen Sie bald die Technik
und blamieren sich nicht bereits im Bahnhof wenn Sie bei einem missglückten
Versuch torkelnd auf die Gleise stürzen. Wenn Sie mit dem Flugzeug
reisen, dann haben Sie bestenfalls einen Transportsack (gibt's für
5 €) dabei, in den Sie den Sack stopfen, damit er nicht beschädigt
wird. Andernfalls schließen Sie alle Rucksackschnallen und ziehen
sie fest. Verknoten Sie lose Riemen, damit sie sich nicht auf dem Gepäckband
verfangen. Bei relativ weichen Hüftgurten schließen Sie ihn
nach hinten um das Bodenfach.
...los geht´s!
Spielen Sie während der Wanderung mit den Riemen. Machen Sie sich
mit dem Rucksack vertraut. Je nach Gelände kann man z B das Gewicht
verlagern. Brauchen Sie auf schmalen Pfaden eine sichere Balance, ziehen
Sie die Schulterriemen fest und straffen Sie anschließend die
Lastenverstellriemen. So sitzt das Gewicht primär auf der Schulter
und ist gut zu beherrschen. Auf ebenen Wegen machen Sie es umgekehrt.
Schulterriemen lockern, Lastenverstellriemen anziehen und dann wieder
Schulterriemen leicht straffen, jetzt sitzt das Gewicht primär
auf der Hüfte, aber der Sack schlackert ein wenig. Um bei hoher
Last, Schmerzen zu vermeiden, machen Sie regelmäßig Pausen!
Vor allem zu Beginn einer Tour sollte man gemächlich vorgehen.
Der Rucksack ist dann am schwersten und der Träger am untrainiertesten.
Bevor Sie den Sack wieder aufsetzen, lockern Sie alle Riemen und verfahren
in der bekannten Reihenfolge, aufsetzen, Hüftgurt fixieren, Schulterriemen
straffen, Lastenverstellriemen anziehen. Auch während der Tour
können Sie das Gewicht im Sack reduzieren. Trinken Sie morgens
viel und füllen Sie erst kurz vor Lagersuche den Wassersack .Verwenden
Sie beim kochen den Windschutz und deckeln Sie den Topf, so sparen Sie
Brennstoff. Gelesene Seiten eines Buches können Sie verbrennen
und wenn Ihnen Ihr Rucksack immer noch zu schwer ist, verschenken Sie
ein paar Sachen oder lassen Sie sie in einer Hütte zurück
- so leicht machen Sie sich und anderen nie wieder eine Freude! Kleiner
Scherz!!!
Und nun Viel Spass auf Ihrer Tour.
erstellt am 16.11.02
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